Die Geburtenrate bleibt in westlichen Gesellschaften niedrig, insbesondere unter erwerbstätigen Frauen. Neue Auswertungen von US-Daten des „Current Population Survey“ zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Lebens- und Erwerbsmodellen. Demnach bekommen Frauen in hochqualifizierten und zeitintensiven Berufen im Schnitt deutlich weniger Kinder als Frauen ohne Erwerbstätigkeit. Laut Daten liegt der Abstand je nach Zeitraum bei etwa 25 bis 35 Prozent. Während nicht erwerbstätige Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren historisch betrachtet deutlich über zwei Kinder bekommen haben, liegen Frauen in den obersten Berufsgruppen konstant deutlich darunter.
Erwerbstätige Frauen nur bei etwa 1,2 Kindern
Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn man die aktuelle Geburtenrate während der Erwerbsphase betrachtet: Orientierte sich die Gesellschaft am Verhalten erwerbstätiger Frauen, läge die Geburtenrate zuletzt nur bei rund 1,2 Kindern pro Frau. Tatsächlich liegt sie insgesamt bei etwa 1,6 – vor allem, weil nicht erwerbstätige Frauen deutlich mehr Kinder bekommen. Demnach erreichen nur Frauen ohne feste Erwerbsbindung Werte, die über dem sogenannten Bestandserhaltungsniveau liegen.
Die Daten legen nahe, dass größere Familien meist mit Erwerbsunterbrechungen verbunden sind. Frauen, die zwei oder mehr Kinder bekommen, steigen häufig zumindest zeitweise aus dem Berufsleben aus. Frauen, die durchgehend in anspruchsvollen Jobs tätig sind, bleiben dagegen deutlich unter diesen Werten. Selbst wenn sie Kinder bekommen, fällt die Gesamtzahl niedriger aus.
Niedrigste Geburtenraten bei einfachen Jobs
Überraschenderweise haben nicht Spitzenverdienerinnen, sondern Frauen in einfachen oder gering qualifizierten Tätigkeiten die geringste Geburtenrate. In diesen Berufsgruppen liegt die Fertilität teils nur bei rund einem Kind pro Frau. Dies deutet darauf hin, dass der Rückgang der Geburtenraten breit verteilt ist, jedoch je nach Lebensmodell unterschiedlich stark ausfällt.
Gleichzeitig hat sich die Erwerbsstruktur von Frauen deutlich verändert. In den 1970er-Jahren waren rund 40 Prozent der 25- bis 44-jährigen Frauen nicht erwerbstätig. Heute sind es nur noch etwa 24 Prozent. Der Anteil hochqualifizierter Berufe stieg von 15 auf fast 40 Prozent.
Heiratsraten sinken ebenfalls – auch bei Karrierefrauen
Parallel zur sinkenden Geburtenrate geht auch die Heiratsquote zurück – und zwar in allen Gruppen. So fiel der Anteil Verheirateter bei Frauen in Top-Berufen von rund 71 Prozent auf etwa 56 Prozent. In der nächstniedrigeren Gruppe sogar auf etwa 49 Prozent. Da viele Geburten weiterhin innerhalb von Ehen stattfinden, verkürzt sich somit die Zeitspanne für Familiengründungen insgesamt.
Selbst unter verheirateten Frauen gibt es Unterschiede: Frauen in hochrangigen Berufen haben im Durchschnitt weniger Kinder als verheiratete Frauen anderer Berufsgruppen. Der Abstand ist besonders deutlich im Vergleich zu nicht erwerbstätigen Ehefrauen, deren Geburtenrate mehr als doppelt so hoch ist.
Seit den 1970er-Jahren ist außerdem die Kinderzahl in allen Gruppen gesunken. Gleichzeitig haben sich die Unterschiede etwas verringert: Hochqualifizierte Frauen bekommen heute etwas mehr Kinder als früher. Nicht erwerbstätige Frauen hingegen weniger. Dennoch bleibt der Abstand bestehen.







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