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Migrantifa gegen Antideutsche: Die Linke im Umbruch

Innerhalb der linken Szene verschärfen sich die Konflikte zwischen antideutschen Strömungen und einer neuen Generation migrantischer Aktivisten. Die neue FREILICH-Ausgabe liefert einen kompakten Überblick über die aktuellen Entwicklungen und ideologischen Gegensätze.

Stefan Juritz
Von
„Migrantifa“-Gruppen gewinnen innerhalb der linken Szene an Bedeutung und sorgen mit ihren politischen Positionen zunehmend für Konflikte mit antideutschen Strömungen.
„Migrantifa“-Gruppen gewinnen innerhalb der linken Szene an Bedeutung und sorgen mit ihren politischen Positionen zunehmend für Konflikte mit antideutschen Strömungen. (Bild: IMAGO / Emmanuele Contini)

Wer früher links war, trug ein Palästinensertuch und demonstrierte gegen den amerikanischen bzw. westlichen Imperialismus. Von Algerien über Vietnam bis Kuba galt die Sympathie den „Befreiungsbewegungen“ der Dritten Welt. Dann kamen der Untergang des Kommunismus und die deutsche Wiedervereinigung. Für die Linke war das ein Schock, der eine schwere Identitätskrise auslöste und die nationale Frage auf den Plan brachte. Ein erstarktes Deutschland war verdächtig. Es könnte ja der deutsche Faschismus wiederkehren. Aus „Nie wieder Faschismus“ wurde „Nie wieder Deutschland“. Anfang der 90er-Jahre entstand das antideutsche Milieu. Die eigene Nation wurde zum Hassobjekt, Israel zum Gegenstand bedingungsloser Solidarität und selbst die USA erschienen plötzlich als Schutzmacht der Zivilisation. Der klassische linke Antiimperialismus war nicht mehr chic. In den 2000er-Jahren verschwand das Palästinensertuch zunehmend von linken Demonstrationen. Dafür sah man dort immer öfter Israel- und USA-Fahnen.

Wo früher das Proletariat (national) oder der Befreiungskampf unterdrückter Völker (global) zur Revolution führen sollte, standen nun die Kritik am deutschen Nationalismus, am Antisemitismus und am verkürzten Antikapitalismus im Vordergrund. Zugleich rückten über antirassistische, postkoloniale und identitätspolitische Diskurse Migranten und Minderheiten in den Fokus. „Kein Mensch ist illegal!“ Mit Migranten fiel die Solidarität leichter; die deutsche Arbeiterschaft war der Linken ohnehin längst in großen Teilen nach rechts davongelaufen. Dabei ist die Antifaszene selbst ziemlich deutsch und weiß. Das ändert sich aber immer mehr. Zum einen gibt es da schon lange die Verbindung zu kurdischen und türkischen Kommunisten aus dem PKK-Umfeld. Das kurdische Rojava in Syrien ist für viele Linke ein „Leuchtturm der Hoffnung“, ein Ort, an dem die linke Utopie ja vielleicht doch gelingen könnte.

Zum anderen sind nach dem Anschlag in Hanau überall Gruppen unter dem Namen „Migrantifa“ entstanden. Der Begriff war nicht ganz neu, auch die Entstehung linker migrantischer Zusammenschlüsse war es nicht. Doch eine so schnelle und flächendeckende Verbreitung vom Norden der Bundesrepublik bis in den Süden Österreichs ist durchaus bemerkenswert. Diese junge neue migrantische Generation will nicht nur eine Art Multikultitrophäe für die Szene sein. Die „Migrantifas“ organisieren sich selbst, beanspruchen eigene Räume und Mitsprache. Dabei bringen sie ihre eigenen Perspektiven ein, was sie häufig wieder mit klassischem Antikolonialismus und Antiimperialismus verbinden – und damit auch wieder in den Konflikt mit antinationalen und antideutschen Strukturen geraten. Der Gaza-Konflikt hat einen bereits Jahrzehnte alten innerlinken Streit an die Öffentlichkeit gebracht. Es tut sich was in der linken Szene. In dieser neuen FREILICH-Ausgabe wollen wir einen kompakten Überblick über die aktuellen Entwicklungen geben.

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