Stellen Sie sich vor, Sie fahren durch die sanften Hügel der Slowakei, vorbei an modernen Fabriken in Bratislava (Pressburg), wo Volkswagen-Autos vom Band rollen, durch die lebendigen Gassen Budapests, wo man nachts sicher flanieren und die Donau bewundern kann, oder durch die pulsierenden Straßen von Warschau, wo polnische Startups die Digitalisierung vorantreiben.
Hier, in den Visegrád-Staaten (V4) – Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei –, pulsiert das neue Herz Europas, das sich seiner Wurzeln besinnt: nationale Souveränität, kulturelle Identität, christliches Erbe und wirtschaftliches Wachstum durch harte Arbeit, Freiheit und Innovation.
Während der Westen sich in grüner Deindustrialisierung, linkem Selbsthass, islamistischer Masseneinwanderung und geopolitischer Impotenz verliert, erheben sich diese vier Nationen als Vision eines besseren, alternativen, christlichen Europas im 21. Jahrhundert. Unter Politikern wie Präsident Karol Nawrocki in Polen, Premierminister Viktor Orbán in Ungarn, Premierminister Robert Fico in der Slowakei und dem neuen Parlamentspräsidenten Tomio Okamura in Tschechien stellen rechtspopulistische Regierungen die Interessen ihrer Völker an erste Stelle. Sie sind eine Trutzburg des gesunden Menschenverstands, wo Freiheit, Nation und Identität nicht verbrämte Schimpfworte sind, sondern stolze Normalität.
Am 15. Februar 1991 trafen sich in der ungarischen Stadt Visegrád die Staatschefs von Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn – ein Ort, der bereits im 14. Jahrhundert Könige dieser Regionen zu Allianzen vereinte. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war dies kein nostalgischer Akt, sondern ein pragmatischer Schritt: Die Visegrád-Gruppe entstand als Instrument politischer und wirtschaftlicher Kooperation, um den Übergang aus dem Ostblock zu meistern. Das Ziel war klar: Integration in westliche Strukturen wie EU und NATO, um Stabilität und Wohlstand zu sichern. Mit der Teilung der Tschechoslowakei 1993 traten Tschechien und die Slowakei getrennt bei, und die Gruppe institutionalisiere sich 1999 durch den Internationalen Visegrád-Fonds, der kulturelle Netzwerke, Stipendien und den jährlichen Visegrád-Tag fördert.
Diese Anfänge waren geprägt von der Notwendigkeit, Reformen in Verwaltung, Wirtschaft und Recht aufeinander abzustimmen. Gemeinsame Positionen gegenüber Brüssel und Washington beschleunigten den Beitritt zur NATO (1999 für Polen, Tschechien und Ungarn; 2004 für die Slowakei) und zur EU (2004 für alle). Doch schon damals zeichnete sich ab, was Visegrád heute ausmacht: eine Allianz, die nationale Souveränität als höchstes Gut verteidigt. Während der Westen zentralistische Tendenzen in Brüssel vorantrieb, nutzten die V4-Staaten ihre Kooperation, um Interessen zu bündeln – etwa bei der Grenzsicherung auf der Balkanroute 2015 oder in einem gemeinsamen europäischen Kampfverband. Heute, im Jahr 2025, fokussiert sich die Gruppe auf geoökonomische Herausforderungen und Einfluss in der EU, trotz Differenzen wie Polens transatlantischer Orientierung.
Von der Werkbank zum Innovationsmotor
Den Trümmern des Kommunismus’ entstiegen die Visegrád-Staaten als attraktive Standorte für westliche Investoren. Nach 1991 lockten liberale Wirtschaftsregeln, moderate Steuern und flexible Arbeitsmärkte massive ausländische Direktinvestitionen (FDI), vor allem aus Deutschland und Österreich. Die Arbeitskosten je Stunde im Verarbeitenden Gewerbe liegen in Tschechien und in der Slowakei um ein Drittel, in Ungarn und in Polen um ein Viertel unter dem deutschen Niveau. Die Lohnstückkosten in den V4 sind insgesamt zwanzig Prozent unter denen von Deutschland.
Die V4 bilden den fünftgrößten Wirtschaftsblock in der EU, mit 65 Millionen Einwohnern – fast so viele wie Frankreich (67 Millionen) – und einem bedeutenden Binnenmarkt. Kein Wunder, dass der Warenaustausch mit Deutschland seit 2004 auf über 380 Milliarden Euro jährlich explodierte – mehr als mit China oder Frankreich.
Beispiele illustrieren diesen Erfolg: In Pressburg rollt Volkswagen vom Band, in Debrecen (Debrezin) baut BMW für zwei Milliarden Euro ein E-Auto-Werk für den iX3, das Tausende Jobs schafft. Mercedes, Audi, Stellantis und Zulieferer wie Continental, ZF und Schedl verlagern Produktion nach Ungarn, wo Orbán mit nur neun Prozent Unternehmenssteuer, niedrigen Energiekosten und pragmatischer Regulierung punktet – sogar mit Mini-Oktoberfesten für deutsche Fachkräfte. In Polen entsteht LG Energy Solution, in der Slowakei Volvo als fünftes großes Autowerk. Tschechien ist zweitgrößter Autohersteller pro Kopf weltweit, die Slowakei Weltmeister. Die verarbeitende Industrie macht ein Fünftel der Bruttowertschöpfung aus, mit Schwerpunkten in Automobil, Maschinenbau, Elektronik, Robotik, Pharma.
Doch der Wandel geht tiefer: von der „verlängerten Werkbank“ zu eigenständigen Innovationsmotoren. Das BIP pro Kopf stieg von 23 Prozent des deutsch-österreichischen Durchschnitts 1992 auf 42 Prozent im Jahr 2024 – eine Verdopplung. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von drei bis fünf Prozent übertreffen die V4 den EU-Durchschnitt. Laut IWF rückt Polen 2025 unter die Top-20-Volkswirtschaften mit einem BIP pro Kopf bei 85 Prozent des EU-Schnitts – auf Augenhöhe mit Spanien und Japan. Seit 2019 wuchs Polens Wirtschaft real um 15 Prozent, Deutschlands um einen Prozent.
Attraktive Standortbedingungen treiben dies an: Die Steuer- und Abgabenquote der V4 beträgt nur ein Drittel des BIP, verglichen mit 40 Prozent in Deutschland und 44 Prozent in Österreich. Tschechien, Polen und die Slowakei besteuern Unternehmensgewinne mit nur rund 20 Prozent, Ungarn sogar nur die Hälfte davon – gegenüber 30 Prozent in Deutschland. In Polen erlaubt ein neues Kontomodell jedem Bürger steuerfreien Vermögensaufbau bis zu 23.530 Euro (17.648 in Aktien/ETFs), alles darüber wird mit nur 0,9 Prozent besteuert.
Trotz Abhängigkeit von westlichen Ketten diversifizieren die V4 Exporte und bauen lokale Wertschöpfung auf. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung und dem folgend auch die Patentanmeldungen, steigen langsam, aber beharrlich. Orbán zieht westliche und chinesische Investitionen gleichzeitig an, begünstigt (bisher) durch preiswerte russische Energie, Nawrocki stärkt die Kapitalmärkte, Fico fördert Hightech. Diese Entwicklung schafft Zukunftschancen, doch sie stößt an Grenzen – durch die Agenda der EU.
Grüne Transformation
Die ideologische Klimapolitik treibt in Deutschland und Österreich Strom-, Gas- und Lohnkosten in wettbewerbsunfähige Höhen und beschleunigt so den Drang westlicher Unternehmen, ihre Produktion nach Osten zu verlagern – dorthin, wo Energie, Arbeit und Regulierung noch ein Viertel bis ein Drittel günstiger sind. Kurzfristig profitieren die Visegrád-Staaten von diesem Exodus: ZF streicht 9.500 Stellen in Saarbrücken und verlagert sie stattdessen nach Eger; BMW, Mercedes und Bosch pumpen Milliarden in ungarische Standorte, während sie in Deutschland Tausende Arbeitsplätze abbauen. Niedrigere Strom- und Gaspreise, moderate Löhne, pragmatische Regulierung – oft weniger strikt als in Brüssel vorgeschrieben – und Steuersätze wie die weltweit niedrigste, neun Prozent in Ungarn, machen die Region zum Magneten.
Der erzwungene Wechsel zur E-Mobilität in Westeuropa begünstigt zudem die Ansiedlung preiswerter Batteriefertigung: Debrecen (Debrezin) avanciert zum europäischen Zentrum mit Gigafactories von CATL, BYD und Samsung SDI; in der Slowakei entstehen Werke von InoBat und Gotion; Polen lockt LG Energy Solution und Northvolt. Nearshoring verkürzt Lieferketten, sichert Arbeitsplätze und stärkt die industrielle Basis – ein klares Plus in einer Zeit globaler Unsicherheiten.
Mittelfristig jedoch drohen schwere Rückschläge. Die grüne Deindustrialisierung zwischen Rhein und Donau reduziert nicht nur die Nachfrage aus Deutschland nach Vorleistungen, sondern auch die Direktinvestitionen, die bisher das Wachstum der V4 antrieben. Der Green Deal mit seinen CO₂-Steuern, ESG-Vorschriften und Bürokratiemonstern verteuert Energie und Produktion nicht nur im Westen, sondern zwingt auch die Visegrád-Staaten, diese Vorgaben schrittweise umzusetzen – widerwillig, doch unausweichlich.
Zwischen 2019 und 2024 explodierte die Verbraucherpreisinflation durch Dekarbonisierung, Corona-Einschränkungen und Russlandsanktionen: in Ungarn um rund 51 Prozent, in Tschechien und Polen um über 40 Prozent, in der Slowakei um mehr als ein Drittel. Bis spätestens 2028 soll russisches Erdgas vollständig aus der EU verschwinden – neue Verträge sind ab 2026 verboten, bestehende laufen spätestens Januar 2028 aus. Ungarn und die Slowakei warnen vor dramatischen Versorgungsengpässen und fordern Ausnahmen für Binnenländer mit hoher Transitabhängigkeit.
Die Bevölkerung spürt die Belastung unmittelbar – und reagiert. Im Herbst 2022 versammelten sich in Prag rund 70.000 Menschen, darunter viele Unterstützer der rechtskonservativen Freiheit und Direkte Demokratie (SPD), um unter dem Slogan „Die Tschechische Republik zuerst!“ gegen explodierende Strom- und Gaspreise zu protestieren. Die Energiekrise katapultierte die SPD lokal in die Höhe und trug maßgeblich dazu bei, dass die Partei seit November 2025 Teil der neuen Mitte-rechts-Regierung ist. In Polen zogen im Jahr 2024 Tausende Bauern auf die Straßen, um gegen steigende Produktions-, Energie- und Heizkosten infolge des European Green Deal zu demonstrieren; sie forderten ein Ende der Zusatzbelastungen für normale Bürger und erhielten breite Rückendeckung durch PiS und Konfederacja. Viktor Orbán wiederum positionierte sich massiv gegen CO₂-Zertifikate und „Kosten für Klima- und Transformationsmaßnahmen“ für Bauern und Haushalte – ein Aktionsrahmen, der die Zustimmung zur regierenden Fidesz-Partei nachhaltig stärkt.
Dekarbonisierung lässt fossile Kostenvorteile schwinden, während Energiepreise explodieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der V4 bedrohen. Was kurzfristig wie ein Segen wirkt, birgt mittelfristig das Risiko, dass die Region in die gleiche Falle tappt wie der Westen – es sei denn, sie schaffen zusammen mit politischen Verbündeten in Wien und Berlin einen dramatischen Kurswechsel in Brüssel.
Sichere Heimat, leere Wiege
In den Visegrád-Staaten atmet man in einigen Bereichen eine Freiheit, die im Westen längst verloren scheint. Hier kann eine Frau nachts unbeschwert durch die Gassen flanieren, ohne Angst vor Gewalt oder Übergriffen – sichere Städte, in denen das Heimatgefühl noch lebendig ist. Diese Sicherheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer restriktiven Einwanderungspolitik, die die ethnokulturelle Seele bewahrt, das christliche Erbe schützt und die traditionelle Familie als Herzstück der Gesellschaft verteidigt. Anders als westliche Politiker, die einen schleichenden Bevölkerungsaustausch betreiben, stellen die Regierungen unter Nawrocki, Orbán, Fico und Okamura das eigene Volk als Souverän der Nation an erste Stelle.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Asylbewerber pro 1.000 Einwohner liegen im EU-Durchschnitt bei nur 23 – ein Drittel unter dem Wert von Deutschland (35,5) und Österreich (33). Tschechien weist mit 36 zwar einen höheren Wert auf, doch dieser resultiert überwiegend aus der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge, nicht aus Migration aus Nahost oder Afrika. In Ungarn (6,5), Polen (26) und der Slowakei (23,4) bleibt die Belastung deutlich niedriger. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Anteil der Nicht-EU-Bevölkerung: Tschechien führt mit etwa sieben Prozent, Ungarn liegt bei zwei Prozent, Polen und Slowakei bei ein bis zwei Prozent – im krassen Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo zwölf bzw. 16 Prozent außerhalb der EU geboren sind.
Ungarn muss für seine konsequente No-way-Politik teuer bezahlen: Wegen Verstößen gegen EU-Asylrecht – geschlossene Transitzonen, Pflicht zur Antragstellung außerhalb des Landes – verhängte der EuGH eine Pauschalstrafe von 200 Millionen Euro plus eine Million Euro pro Tag für jedes weitere Nichtumsetzen. Bis Mitte 2025 summierten sich die Strafen auf über 500 Millionen Euro. Doch obwohl die Visegrád-Staaten ihre Außengrenzen verteidigen, droht im Inneren ein stiller, aber unaufhaltsamer demografischer Kollaps. Denn die durchschnittliche Fertilitätsrate ist von rund zwei Geburten je Frau im Jahr 1990 auf nur noch 1,3 im Jahr 2024 gesunken. In Tschechien und der Slowakei lagen die Höchstwerte bei nur 1,8 bzw. 1,6. Und selbst Ungarn konnte ab der zweiten Amtszeit von Orbán trotz intensiver familienpolitischer Anreize nur moderat zulegen – von 1,2 auf 1,5 Kinder pro Frau.
Ein auffälliger Peak im Jahr 2021 – etwa neun Monate nach den Corona-Lockdowns, als Paare mehr Zeit zu Hause verbrachten – täuschte Hoffnung vor, doch ab 2022 setzte ein erneuter Rückgang ein.
Besonders dramatisch ist der Einbruch im konservativen Polen: von 2,1 auf 1,1 Kinder pro Frau, der niedrigste Wert in der gesamten Gruppe. Vor 2020 verschärfte in Polen die Abwanderung gebärfähiger Frauen das Problem: Zwischen fünf und zehn Prozent arbeiteten im Ausland, oft als Reinigungskräfte. Doch dieser Trend kehrt sich glücklicherweise um – immer mehr Polen verlassen Deutschland und kehren heim, nicht zuletzt wegen der grünen Deindustrialisierung im Westen. Dennoch prognostizieren Bevölkerungsökonomen einen massiven Rückgang bis 2050: Jeder zehnte Einwohner geht verloren. Polen schrumpft von 38 auf 34 Millionen, Tschechien von 10,7 auf 9,7 Millionen, die Slowakei von 5,4 auf 4,9 Millionen, Ungarn von 9,6 auf 8,5 Millionen.
Zwar lindert kurzfristig Flüchtlingsmigration aus der kulturell nahen Ukraine und dem Balkan die Fachkräfteengpässe, doch sie löst das Grundproblem nicht: die Alterung der Gesellschaft und die Stagnation der eigenen Bevölkerung. Hier liegt die bittere Ironie: Die Visegrád-Staaten führen eine der aktivsten Familienpolitiken Europas – Steuererleichterungen, Kinderbetreuung, finanzielle Anreize, Wohnungsbauprogramme –, doch diese Maßnahmen reichen nicht aus, um die Geburtenrate nachhaltig zu heben.
Zwischen Transatlantismus und Multipolarität
Staaten, die jahrzehntelang unter der sowjetischen Knute litten, spüren heute instinktiv die totalitären und zentralistischen Tendenzen in Brüssel. Die souveränen Nationen der Visegrád-Gruppe lassen sich nicht vorschreiben, mit wem sie handeln, kooperieren oder diplomatische Beziehungen pflegen dürfen. Sie verteidigen ihre Entscheidungsfreiheit mit der gleichen Entschlossenheit, mit der sie einst den Ostblock verließen. Deshalb verfolgen vor allem Ungarn, die Slowakei und seit Neuestem auch Tschechien einen multipolaren Kurs: Sie halten gute Beziehungen zu Brüssel, bessere zu Washington, öffnen aber gleichzeitig Türen nach Moskau und Peking, um nationale Interessen zu wahren und wirtschaftlichen Chancen zu nutzen.
Polen bildet die Ausnahme. Aufgrund berechtigter historischer Ressentiments – wiederholt zerteilt und eingeengt zwischen Deutschland und Russland – hat sich Warschau als aufstrebende Mittelmacht eng an die USA gebunden. Washington nutzt diese Bindung geschickt für eigene geopolitische Ziele. Gleichzeitig treibt Polen das Intermarium-Projekt voran, ein ambitioniertes Bündnis von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, das jede Annäherung zwischen Berlin und Moskau blockieren soll. Präsident Karol Nawrocki unterstützt finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine, setzt auf Sanktionen gegen Russland und lehnt russische Energielieferungen in die EU ab, gleichzeitig fordert er von Deutschland Reparationszahlungen in Höhe von ca. 1,3 Billionen Euro für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, trotz völkerrechtlich abgeschlossener Ansprüche, was die deutsch-polnischen Beziehungen belastet.
Im Kontrast zu Polens transatlantischer Linie verfolgen Ungarn, die Slowakei und seit neuestem Tschechien einen multipolaren Kurs. Sie pflegen enge, freundschaftliche Beziehungen zu den US-Republikanern und Donald Trump, ohne ihre Souveränität aufzugeben. Budapest hostet seit fünf Jahren die renommierte CPAC-Konferenz – das größte Vernetzungstreffen von Republikanern und rechtskonservativen Kräften in Europa, kürzlich fand ein Ableger mit Präsident Nawrocki in Polen statt –, und Viktor Orbán trifft sich regelmäßig mit seinem Freund Donald Trump, um klar seine souveräne Linie zu verteidigen: ein schnelles Ende des Krieges in der Ukraine, Ende der Waffenlieferungen, Frieden mit Russland, Fortsetzung von Gas- und Öllieferungen, Ausbau von Pipelines, Zusammenarbeit mit Rosatom beim Kernkraftwerksbau sowie ein Ende des Handelskriegs mit China; dasselbe fordern Babiš und Fico – Ende der Russlandsanktionen, Wiederaufnahme günstiger Energielieferungen und Abbau der Zölle gegen Peking –, denn ihre Volkswirtschaften leiden massiv unter den Sanktionen, weshalb Budapest und Pressburg Alarm läuten und Sturm gegen Brüssel laufen, auch wenn sie die qualifizierte Mehrheit im Rat nicht verhindern konnten, aber immerhin Ausnahmen für sich aushandelten; Fico nennt die Ukraine ein „total korruptes Land“, Babiš lehnt staatliche Waffenlieferungen ab.
Fakt ist: Abgesehen vom Baltikum würden die Visegrád-Staaten am meisten von einer Friedenslösung in der Ukraine, Sanktionsaufhebung und einem gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok profitieren. Geografisch ideal zwischen Westeuropa und Eurasischer Wirtschaftsunion gelegen, könnten sie als Brücke Milliarden an Handel, Energie und Investitionen kanalisieren. Eine Bertelsmann-Studie schätzte den Wohlfahrtseffekt für Polen auf +0,4 % BIP, für Tschechien und Ungarn auf +0,5 %, für die Slowakei auf +0,7 %. Heute wäre der Effekt noch deutlich höher.
Von Chinas „Neuer Seidenstraße“ profitiert Mitteleuropa bereits jetzt. Der Grundstein war 2012 die 16+1-Gemeinschaft (heute 17+1 mit Griechenland), und obwohl Projekte teils langsamer voranschreiten, fließen die Investitionen immer kräftig: 2023 belaufen sich die chinesischen Direktinvestitionen in Europa auf 6,8 Milliarden Euro, davon ging die Hälfte in die Visegrád-Staaten plus Slowenien und Österreich – ein klares Zeichen für die Attraktivität der Region trotz Rückgängen. Erfolgsbeispiele sind unter anderem die Modernisierung der Budapest-Belgrad-Eisenbahn, Gigafactories von BYD und CATL in Debrecen und Huaweis 5G-Fabrik mit über einer Milliarde Euro Investitionen und 3.000 neuen Arbeitsplätzen.
Vereint gegen Brüssel
Selbst wenn außenpolitische Spannungen bestehen – Polen ist transatlantisch, die anderen drei sind multipolar –, gibt es eine weitgehende Einigkeit: die Ablehnung der Brüsselokratie, ihrer Einmischung in die souveräne Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Alle vier Staaten verachten den Linksliberalismus, die Politik der offenen Grenzen, den westlichen Selbsthass. Stattdessen bilden die Bewahrung der eigenen christlichen Geschichte, traditionelle Familienwerte, nationale Identität, Souveränität und Freiheit das Fundament – genau jenes, das 1991 die V4 schuf und heute ihre Zukunft sichert.
Dieses starke Band blüht auf, während die politische Führung nach rechts rückt: In Polen wächst die Konfederacja, Präsident Nawrocki verstärkt den Rechtsruck; in Tschechien ist die SPD unter Tomio Okamura seit November 2025 in die Mitte-Rechts-Regierung unter Babiš integriert; Ungarn regiert seit Jahren Fidesz unter Orbán; in der Slowakei fährt Fico trotz sozialdemokratischer Herkunft eine klare konservative, antiglobalistische Linie. Ungarn übernimmt dabei eine besondere Vorreiterrolle: Viktor Orbán und die Fraktion „Patriots for Europe“ wollen Brüssel nicht zerstören, sondern von innen heraus übernehmen, die EU-Führung austauschen und eine neue Strategie etablieren, die nationale Souveränität, wirtschaftlichen Pragmatismus und realpolitische Flexibilität in den Vordergrund stellt. Orbán betont, dass Mitgliedstaaten ihre Vetorechte behalten müssen, um eine zentralistische Machtübernahme zu verhindern. Bürokratie, ideologische Übergriffe in Migration, Genderpolitik oder Energiepolitik unterminieren sonst die Eigenständigkeit der Staaten – das sei unverantwortlich und wirtschaftlich schädlich. Dieser Ansatz bildet die Basis für eine neue, freiheitliche Europäische Wirtschafts- und Interessengemeinschaft (EWIG), die Kooperation souveräner Staaten auf realistische, interessengestützte und christlich-humanistische Grundlagen stellt.
Visegrád rückt politisch nach rechts – und das ist gut so. Orbán hat seinen Gramsci gelesen: Er gewann nicht nur Wahlen, sondern baute ein politisches Vorfeld aus Denkfabriken, Medien und Universitäten – ein Modell, dem Polen und Tschechien nun folgen. Damit könnte Visegrád einen starken, eigenständigen Einflussfaktor in Europa bilden – doch ihm fehlt noch die Mehrheit, um wirklich etwas zu verändern. Solange nicht größere Player wie Deutschland und Österreich mitspielen und eine gemeinsame Front bilden, bleibt die Rechtskorrektur noch ohne Wirkung.
Ostpolitik der Zukunft
Ein politischer Wandel in Berlin und Wien spätestens ab 2029 könnte und sollte das Verhältnis zu Mitteleuropa grundlegend neu definieren – hin zu einer pragmatischen, industriefreundlichen und souveränitätsorientierten Politik, die Europa wieder auf reale Interessen statt ideologische Dogmen stellt.
Künftige AfD- oder FPÖ-Regierungen müssen den hohen Stellenwert der Visegrád-Staaten endlich anerkennen und sie stärker in den Fokus ihrer Außenpolitik rücken – eine neue, konservative Ostpolitik ist überfällig. Denn trotz wachsender Eigenständigkeit bleiben die V4 wirtschaftlich und finanziell eng an Deutschland und Österreich gebunden. Laut einer Studie des Verbands der Bayerischen Wirtschaft fließen ein Drittel der tschechischen, 28 Prozent der polnischen, ein Viertel der ungarischen und 21 Prozent der slowakischen Exporte nach Deutschland. Dies induziert eine Bruttowertschöpfung und sichert Beschäftigung zwischen fünf und sieben Prozent der Wirtschaftsleistung bzw. Erwerbstätigen in den Visegrád-Ländern. Jedes Prozent deutschen Wachstums steigert das BIP in Tschechien um 0,36 Prozent, in Ungarn und Polen um 0,32 Prozent, in der Slowakei um 0,28 Prozent; ein Euro Wachstum in Deutschland generiert somit 33 Cent in der Visegrád-Gruppe. Kein anderer Partner ist so entscheidend – die Region steht in allen Abhängigkeitsindizes an erster Stelle, gleichauf mit Österreich.
Finanziell empfangen die V4 über ein Drittel aller EU-Netto-Transferleistungen – jährlich 18,7 Milliarden Euro. Polen liegt mit 12,4 Prozent auf Platz 3 der Empfänger, Tschechien, Slowakei und Ungarn erhalten jeweils sieben bis acht Prozent. Diese Mittel machen 6,4 Prozent der slowakischen, 4,5 Prozent der ungarischen, 2,6 Prozent der tschechischen und knapp zwei Prozent der polnischen Haushaltsausgaben aus. Deutschland trägt 47,5 Prozent der Nettoleistungen, Österreich 3,5 Prozent. Würden AfD- oder FPÖ-Regierungen diese Transfers kürzen, verlören die V4-Staaten ein spürbarer Anteil ihrer Haushaltsbudgets – ein starkes Druckmittel, um Reformen durchzusetzen.
Deutsche Außenpolitik sollte die Visegrád-Gruppe als „strategischen Nachbarschaftsraum“ betrachten und geschickt agieren: verbesserte Wirtschaftsbeziehungen einerseits, Hinweis von möglichen Transferkürzungen andererseits. Denn die V4 sind durch deutsche Deindustrialisierung und europäische Sanktionspolitik bereits geschädigt – eine Abkehr von dieser Ideologie würde beiden Seiten nutzen.
Gemeinsam repräsentieren Deutschland, Österreich und die V4 rund 35 Prozent der EU-Bevölkerung – genug für eine Sperrminorität im Rat, um etwa den Green Deal oder die Migrationspolitik zu blockieren. Im Europäischen Rat reicht dank Einstimmigkeit ein Veto – wie Ungarn bei Sanktionen oder Polen beim Haushalt.
Berlin und Wien sollten daher ernsthaft darüber nachdenken, ein gemeinsames Forum mit den Visegrád-Staaten zu gründen – einen neuen, erweiterten mitteleuropäischen Block, der gezielt die Reform der Europäischen Union hin zu einer pragmatischen, souveränitätsorientierten Europäischen Wirtschafts- und Interessengemeinschaft (EWIG) durchsetzt. Dieses Forum müsste von Anfang an die nationalen Interessen und Besorgnisse aller Partner schützen und berücksichtigen – insbesondere auf Polens historische Ängste und legitime Sicherheitsbedürfnisse eingehen. Warschau bräuchte klare Garantien: keine Wiederholung vergangener Einkreisung, keine Dominanz durch ein patriotisch regiertes Deutschland, sondern echte Partnerschaft auf Augenhöhe. Nur so lässt sich verhindern, dass Visegrád zur Bruchlinie wird.





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