Berlin. – Die Zahl indischer Studenten an deutschen Hochschulen wächst rasant. Gleichzeitig warnen Hochschulvertreter und Behörden zunehmend vor Missbrauch, unseriösen Vermittlern sowie problematischen Geschäftsmodellen einzelner privater Bildungseinrichtungen, wie die Zeit berichtet.
Joybrato Mukherjee, der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), sprach in der Zeit von „Trittbrettfahrern“, die vom Boom profitieren wollten. Besonders in Berlin beobachte man Fehlentwicklungen, die mit einigen privaten Einrichtungen zusammenhingen. Dort kämen Studenten mit hohen Erwartungen nach Deutschland, die sich später nicht erfüllten.
Immer mehr indische Studenten in Deutschland
Dem Bericht zufolge studieren derzeit fast 60.000 Menschen aus Indien in Deutschland – so viele wie noch nie. Vor zehn Jahren waren es lediglich rund 12.000. Deutschland hat sich in Indien inzwischen zu einem besonders gefragten Studienstandort entwickelt. Mukherjee erklärte, dass Deutschland über Jahre hinweg gezielt um indische Studenten geworben habe – auch im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel und der demografischen Entwicklung. Besonders gefragt seien Studiengänge in den MINT-Fächern. Viele Absolventen bleiben später dauerhaft in Deutschland und sind auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt.
Behörden warnen vor dubiosen Agenturen
Der DAAD-Präsident bezeichnete kommerzielle Vermittlungsagenturen in Indien als zentrales Problem. Diese hätten aus der Vermittlung von Studienplätzen ein Geschäftsmodell gemacht. „Diese sogenannten Vermittlungsagenturen in Indien sind ein grauer Markt – und ein Kern des Problems“, sagte Mukherjee. Laut dem DAAD arbeiten die Agenturen häufig intransparent und sind teilweise unseriös. Mukherjee führte aus: „In Indien ist das Agenturgeschäft bisher unreguliert, undurchsichtig und von vielen unseriösen Anbietern geprägt.“ Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sowohl indische Behörden als auch die deutsche Botschaft in Neu-Delhi die Entwicklung inzwischen genauer beobachten.
Kritik an privaten Hochschulen wächst
Laut der Zeitung studiert inzwischen etwa jeder fünfte Inder an einer privaten Hochschule in Deutschland. Die größte Zahl indischer Studenten verzeichnet dabei die private IU Internationale Hochschule. Mukherjee betonte zwar, dass es auch „sehr seriöse, qualitativ hochwertige private Hochschulen“ gebe. Zugleich stellte er jedoch infrage, warum einzelne Einrichtungen staatlich anerkannt wurden und bestimmte Studiengänge akkreditiert wurden. Teilweise gebe es „sehr fragwürdige Angebote“. Der DAAD fordert deshalb strengere Kontrollen und ein entschlosseneres Vorgehen gegen problematische Anbieter. Das Ziel bestehe darin, weitere Fehlentwicklungen zu verhindern und den Ruf des Wissenschaftsstandorts Deutschland zu schützen.







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