Madrid/Rabat. – Laut offiziellen Angaben lebten im Jahr 2024 rund 900.000 marokkanische Staatsangehörige in Spanien. Damit stellen sie die größte muslimische Bevölkerungsgruppe des Landes dar. Ein erheblicher Teil von ihnen – mehr als 226.000 Menschen – lebt in Katalonien, wobei die Zahlen weiterhin deutlich ansteigen. Während die demografische Entwicklung schon seit Jahren beobachtet wird, rückt nun die politische Dimension stärker in den Fokus.
Aufruf aus Marokko zur politischen Einflussnahme
Besondere Aufmerksamkeit erregten in diesem Zusammenhang Aussagen aus der marokkanischen Politik, die nun wieder diskutiert werden. So hat Enaam Mayara, der damalige Vorsitzende der Parlamentsoberkammer Marokkos, im Jahr 2023 öffentlich dazu aufgerufen, dass im Ausland lebende Marokkaner sich aktiv in die Politik ihrer Aufenthaltsländer einbringen sollten, wie Remix News berichtet.
Er habe demnach dazu aufgerufen, dass die marokkanische Gemeinschaft in Spanien sich stärker politisch engagieren solle. Dazu gehöre insbesondere der Eintritt in Parteien sowie die Teilnahme an Wahlen mit dem Ziel, die Interessen Marokkos zu vertreten. Zugleich habe er angeregt, dass Angehörige der Diaspora politische Mandate anstreben und sich innerhalb der spanischen Parteienlandschaft vernetzen sollten, um eine gemeinsame Interessenvertretung aufzubauen.
Bildung als Instrument zur Bindung der Diaspora
Parallel dazu intensiviert Marokko seine Bemühungen, seinen kulturellen Einfluss auf im Ausland lebende Bürger auszubauen. Dabei spielt insbesondere das Bildungssystem eine zentrale Rolle. Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita hat dem Bericht zufolge kürzlich Reformen im Bereich der Auslandsbildung angekündigt. Ziel sei eine grundlegende Neuausrichtung des Unterrichts in arabischer Sprache und marokkanischer Kultur für im Ausland lebende Kinder. Laut Bourita könnten diese Veränderungen eine „qualitative Transformation“ bewirken.
Künftig soll die Verantwortung für diese Bildungsprogramme stärker zentralisiert und institutionell gebündelt werden. Ziel sei es vor allem, die kulturellen und sprachlichen Bindungen zwischen Marokko und seinen im Ausland lebenden Staatsbürgern weiter zu stärken.
Marokko finanziert Programme in spanischen Schulen
Entsprechende Programme sind bereits heute tief im spanischen Bildungssystem verankert. Hunderte Schulen im ganzen Land bieten Unterricht in arabischer Sprache und marokkanischer Kultur an. Diese Angebote werden von marokkanischen Stellen finanziert, die auch die Lehrkräfte auswählen und bezahlen. Das Programm zum Unterricht der arabischen Sprache und der marokkanischen Kultur wird derzeit in zwölf autonomen Gemeinschaften umgesetzt. Die meisten teilnehmenden Schulen befinden sich in Katalonien (125 Einrichtungen). Es folgen Andalusien mit 96 und Madrid mit 70 Schulen.




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