„Aber das wird Jahre dauern.“ „Ein Grund mehr sofort zu beginnen.“ Dieser Dialog zwischen Napoleon I. und einem Untergebenen bezog sich auf die Idee, Frankreichs Straßen in Alleen zu verwandeln und hierzu ein umfangreiches Baumpflanzungsprojekt zu initiieren, damit französische Soldaten im Schatten marschieren.
Umgelegt auf das große Nachrüstungsprojekt des österreichischen Bundesheeres mit dem Titel „Mission Vorwärts“ soll von 2022 – dem Jahr des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine und der damit verbundenen Rückkehr des konventionellen Krieges nach Europa – bis 2032 die Fähigkeit zur militärischen Landesverteidigung wiederhergestellt werden. Das ist vergleichbar mit einem untrainierten Ex-Sportler, der sich in mittleren Jahren auf ein Comeback vorbereiten muss. Schritt für Schritt.
Wovor militärische Planer immer wieder gewarnt haben, ist nämlich eingetreten. Je rascher die Abrüstung erfolgt, desto länger würde eine allfällige Wiederaufrüstung dauern. Dies gilt vor allem für klassische Waffengattungen wie Panzer und Artillerie. Das Personal wandert ab, Know-how geht verloren und die Hardware muss erst in Rüstungswerken gefertigt werden, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
Neben dem „Wo sind all die Panzer hin, wo sind sie geblieben?“-Katzenjammer muss eine massive Aufrüstung in den neuen Bereichen Luftabwehr und Cyber Defense erfolgen. Die „revolution in military affairs“ (RMA), welche in Form der US-amerikanischen Streitkräfte die irakische Armee im Jahr 2003 innerhalb weniger Wochen hinwegfegte, hat nicht Halt gemacht. Im Gegenteil. Der Ukrainekrieg verdeutlichte die Bedeutung intelligenter Munition und Drohnen im Verbund mit klassischen Waffen wie Panzern und Rohrartillerie. Kleine Akteure abseits der entwickelten Industrienationen haben diesbezüglich bereits massiv nachgerüstet, wie die Waffengänge zwischen Armenien und Aserbaidschan bewiesen haben.
Bilanz nach drei Jahren
Der gegenwärtige Stand nach etwa drei Jahren Nachrüstung stellt sich folgendermaßen dar: Das Bundesheer ist in vier Brigaden gegliedert. Darunter befindet sich eine Panzergrenadierbrigade, während die übrigen drei als Jägerbrigaden aufgestellt sind.
Die 4. Panzergrenadierbrigade hat ihr Kommando in Hörsching und besteht aus dem Panzerstabsbataillon 4, dem Artillerie-Aufklärungsbataillon 4, dem letzten verbliebenen Panzerbataillon 14 und den beiden Panzergrenadierbataillonen 13 und 35.
Die 3. Jägerbrigade hat ihr Kommando in Mautern und gliedert sich auf folgende Bataillone auf: Stabsbataillon 3, Artillerie-Aufklärungsbataillon 3, die Jägerbataillone 17, 19 und 33 sowie das Pionierbataillon 3.
Die 6. Gebirgsbrigade mit Kommando in Absam gliedert sich in das Stabsbataillon 6, die Jägerbataillone 6, 23, 24 und 26 sowie das Zentrum Gebirgskampf und das Pionierbataillon 2. Die 7. Jägerbrigade hat ihr Kommando in Klagenfurt und gliedert sich in das Stabsbataillon 7, die Jägerbataillone 12, 18 und 25, das Artillerie-Aufklärungsbataillon 7, das Pionierbataillon 1 und das Zentrum Jagdkampf.
Die Landstreitkräfte verfügen somit über zehn aktive Jägerbataillone und zehn Jägerbataillone der Miliz. Letztere unterstehen den jeweiligen Militärkommanden in den Bundesländern – sozusagen die österreichische Nationalgarde. Des weiteren gehören drei Artillerie-Aufklärungsbataillone, ein Panzerbataillon, zwei Panzergrenadierbataillone, drei Pionierbataillone sowie die Garde zu den Landstreitkräften.
Als Unterstützungstruppen existieren noch ein Versorgungsregiment, zwei Fernmeldebataillone (die nunmehr als Führungsunterstützungsbataillone firmieren, während die Pionierbataillone den offiziellen Namen Einsatzunterstützungsbataillone tragen), ein Fliegerabwehrbataillon und ein Radarbataillon. Hinzu kommen Spezialkräfte wie ABC-Abwehr und Cyber-Abwehr. Insgesamt stehen somit vier Brigaden und 33 Bataillone zur Verfügung. Zum Vergleich: Im Raumverteidigungskonzept verfügte das Bundesheer am Höhepunkt seines personellen Standes Ende der 1980er-Jahre über sieben Brigaden, 34 Regimenter und 158 Bataillone. Im Mobilmachungsfall wären 300.000 Mann aufgebracht worden. Heute zählt das Heer etwa 17.000 Berufssoldaten, 8.000 Zivilbedienstete und 17.000 Grundwehrdiener, von denen jeweils die Hälfte aufgrund der sechs Monate währenden Wehrpflicht zur Verfügung steht. Summa summarum stehen somit 30.000 Mann plus 30.000 Mann Milizsoldaten im Mobilmachungsfall zur Verfügung, wobei der Bundespräsident ab einer Mobilmachung von 5.000 Milizsoldaten seine Genehmigung erteilen muss. Bei einer Million Wehrpflichtigen zwischen 18 und 50 bzw. 65 Jahren bei Offizieren kommt eine mögliche – sehr theoretische – Reserve von 945.000 Mann hinzu.
Geld für Investitionen
Was die Budgetierung anbelangt, kann das Bundesheer im Unterschied zum Pool an jungen Männern nunmehr aus dem Vollen schöpfen. Auch wenn es bei Weitem nicht an das Guderiansche „Klotzen, nicht Kleckern“ des Pentagons, das mittlerweile wieder unter Kriegsministerium firmiert, heranreicht.
Die Rückkehr vom Schwerpunkt Assistenzeinsatz und friedenssichernder Auslandseinsätze sowie Beteiligung an einer EU-Battle-Group zurück zur Verteidigungsfähigkeit soll innerhalb von Vierjahresschritten erfolgen. Erstmals seit Langem erreicht das Verteidigungsministerium das Ein-Prozent-Ziel des Wehretats an der Größe der Volkswirtschaft, also dem BIP. 2023 flossen 3,3 Milliarden Euro vom Finanzministerium ins Bundesheer, 2024 waren es 3,7 Milliarden, 2025 waren es bereits 4,2 Milliarden und nächstes Jahr sollen es 4,7 Milliarden Euro sein. Bis 2032 sollen insgesamt 16,6 Milliarden Euro als reine Investitionssumme dienen,
d. h. nach Abzug von laufenden Betriebskosten und Pensionen. Aktuell verfügt das Heer über 8.000 Fahrzeuge, darunter 700 Ketten- und Radpanzer sowie gepanzerte Fahrzeuge. Daneben stehen über 110 Luftfahrzeuge und 118 Wasserfahrzeuge bereit. Hinzu kommen etwa 220 Tiere, darunter über fünfzig Pferde, über 150 Hunde und acht Esel. Letztere nicht im Generalstab, sondern im Stall.
Der Fuhrpark besteht bei Radfahrzeugen großteils aus 460 Steyr 12M18, 290 Unimog 4000, 550 Mitsubishi Pick-up, 100 VW Tuareg, 900 Pinzgauer und 300 Puch G.
Die Flotte aus gepanzerten Radfahrzeugen setzt sich zusammen aus 66 Modellen des Allschutztransportfahrzeug (ATF) Dingo 2, 39 Dingo in der ABC-Abwehr-Variante, 28 in der Materialerhaltungsversion sowie dreißig Modellen der Notarztvariante. Hinzu kommen 127 Husar und zwanzig Husar in der Variante Beobachtung und Aufklärung. Die Anschaffung dieser Fahrzeuge beruhte auf den Erfahrungen mit improvisierten Sprengfallen in Afghanistan und verfügen daher über entsprechende Minenschutzfunktionen mit hohen Überlebenschancen für die Insassen. Geplant ist die Beschaffung von fünfzig weiteren ATF Dingo 2.
Aufrüstung bei Radpanzerflotte
Eine massive Aufrüstung ist bei der Radpanzerflotte geplant. Von ursprünglich 74 Radpanzern Pandur erfolgt aktuell der Zulauf von weiteren hundert Panduren des Modells Evolution (EVO). In den nächsten Jahren werden zudem 225 Pandur EVO in zwölf unterschiedlichen Varianten hinzukommen. Damit kann die gepanzerte und geschützte Mobilität der Jägerbataillone ungemein verbessert werden. Dies ist bis zu einem gewissen Grade aus der Not geboren. Denn Panzer bzw. Schützenpanzer sind momentan schwer zu beschaffen.
So wird die Kampfpanzerflotte von 58 Leopard 2 A4 auf Leopard 2 A7 im Kampfraum aufgerüstet. Weitere Nachrüstungen bzw. Beschaffungen haben sowohl für Österreichs Streitkräfte als auch für die europäische Rüstungsindustrie momentan eine geringere Priorität. Die Rüstungsindustrie ist damit ausgelastet, die Bestellungen der NATO-Länder abzuarbeiten. Möglicherweise kommen außereuropäische Lösungen wie der südkoreanische K2 Black Panther infrage. Die Aufstellung eines zweiten Panzerbataillons wäre für die Rückkehr zu zwei Panzergrenadierbrigaden unerlässlich. In Anbetracht der Notwendigkeit, mehrere Verbände für einen Einsatzverband „zusammenwürfeln“ zu müssen, ist dies keine Unmöglichkeit.
Die Schützenpanzerflotte von derzeit 112 Ulan wird hingegen um fünfzig weitere aufgerüstet. Diese sollen auch mit Lenkwaffensystemen nachgerüstet werden. Damit könnte ein drittes Panzergrenadierbataillon aufgestellt werden. Das Gebirgskettenfahrzeugsystem Hägglund wird von aktuell dreißig Stück auf 130 aufgestockt. Die drei Artillerie-Aufklärungsbataillone verfügen über jeweils zwei Aufklärungskompanien und zwei schießende Batterien – im Unterschied zu drei schießenden Batterien bei den früheren Panzerartilleriebataillonen. Dort sind über 53 Panzerhaubitzen M 109 sowie 26 Rechenpanzern und Beobachtungspanzern auf M109-Basis stationiert. Zehn Bergepanzer vom Typ M 88 und 27 Greif sorgen für die Sicherstellung der Mobilität des schweren Geräts. Zusätzlich sollen Artillerie und Granatwerfer mit Präzisionsmunition ausgestattet werden.
Der zusätzliche Bedarf für Luftabwehr und Drohnenabwehr wird einerseits durch Nachrüstung bestehender Systeme und andererseits durch die Beschaffung neuer Systeme gedeckt. 24 Zwillingsfliegerabwehrkanonen, also Flak, vom Kaliber 35 mm sollen mit Radar und „Advanced Hit Efficiency And Destruction“(AHEAD)-Munition und „Air Burst Munition“ (ABM) kampfwertgesteigert werden. Die Munition wird beim Verlassen des Rohres programmiert und detoniert kurz vor dem Ziel, das im Projektilregen zerstört wird. Weiters sollen zwei Feuerleitgeräte des Typs „Skyguard“ beschafft werden. Hinzu kommen 61 Mistral-Fliegerabwehrraketen mit kurzer Reichweite. Das System Skyranger, ein modularer Fliegerabwehrturm, welcher auf verschiedenen Rad- oder Kettenpanzern montiert werden kann, soll in 36-facher Ausführung die Pandur-EVO-Modelle bestücken. Zusätzlich folgen zwölf Stück des Aufklärungs- und Zielzuweisungsradars (AZR) RAC 3D.
Was die Luftabwehr mittlerer und größerer Reichweite anbelangt, wird sich Österreich an der „European Sky Shield“-Initiative beteiligen. Dabei kommen mehrere Systeme, wie Patriot oder Iris-T, infrage. Die Luftraumüberwachung erfolgt durch drei ortsfeste und eine verlegbare Radarstation, welche das System Goldhaube bilden.
Die fliegerische Komponente wird derzeit durch folgende Luftflotte an Starrflüglern und Drehflüglern erfüllt:15 Eurofighter Typhoon der Tranchen 1 und 2, welche die Überschallkomponente abdecken. 16 PC-7, 13 PC-6 und vier DA 40 die als Trainer, Ausbilder und unter Umständen als Turboprop-Erdkampfflugzeuge fungieren. Die Transportflotte besteht aus vier C-130 K „Herkules“. Die Hubschrauberflotte gliedert sich auf in zwölf OH 58 Kiowa – für Verbindung und Aufklärung –, 24 AB 212 Transporthubschrauber und zwölf S 70 bzw. UH 60 Black Hawk, ebenfalls für den Transport bestimmt.
Derzeit laufen 18 Stück Leonardo AW 169 zu. Insgesamt soll die Leonardoflotte aus 36 Hubschraubern bestehen, welche Verbindung und Aufklärung abdecken. Die Black-Hawk-Flotte soll ebenfalls auf 24 Stück verdoppelt werden. Bereits entschieden ist die Beschaffung von zwölf M346 FA von Leonardo, welche die Jettrainer und Unterschallkomponente abdecken werden. Die C130 K werden durch vier C390 Millennium von Embraer ersetzt, welche zwischen 2028 und 2030 zulaufen werden.
Bei der Leistungsschau des Bundesheeres am 26. Oktober 2025, dem Nationalfeiertag, konnten beide Typen in Kooperation mit der portugiesischen bzw. der italienischen Luftwaffe in der Luft beobachtet werden. Das Kernstück der österreichischen Fliegerkräfte bzw. Heeresfliegerei – der Eurofighter – soll zukünftig neben Kurzstreckenraketen Iris-T auch mit Mittelstreckenraketen ausgestattet werden. Hierfür kommen die „Advanced Medium-Range Air-to-Air Missile“ (AIM-120 AMRAAM) oder „Meteor“ infrage. Beabsichtigt ist auch die Beschaffung von vier Typhoon-Doppelsitzern.
Letztendlich stellt sich auch die Frage einer Nachfolgebeschaffung. Schließlich sind die Eurofighter seit 2007 in Österreich im Dienst, darunter einige Gebrauchte der Tranche 1. Angesichts des Nachrüstungsfiebers, das derzeit in Europa kursiert, kann eine Entscheidung diesbezüglich nicht früh genug erfolgen. Nachdem die deutsche Bundeswehr die Eurofighter Tranche 5 durch Bestellungen vorantreibt, könnte Österreich die Erfahrungen auf dem System Eurofighter nutzen und sich hier beteiligen. Der Sprung zur F35 Lightning II, wie es die Schweiz oder Finnland getan haben, wäre wohl ein übereilter Sprung vorwärts. Zu guter Letzt wird die Mannesausrüstung mit 14.400 modernisierten Sturmgewehr Steyr StG 77 A1 MOD sowie mit 2.500 SquadNet-Funkgeräten modifiziert.
Im Hinblick auf das Personalwesen – das alte Leiden einer pragmatisierten Armee, nämlich ein Missverhältnis zwischen Häuptlingen und Fußindianern – muss das Bundesheer aufgrund der demografischen Entwicklung mit einem immer kleiner werdenden Pool junger Männer umgehen. Im aktiven Pool befinden sich 21 Prozent Offiziere, 69 Prozent Unteroffiziere und lediglich zehn Prozent Soldaten. Rechnet man die Grundwehrdiener hinzu, kommt man auf 41 Prozent Soldaten. In der Schweizer Armee sind es 70 Prozent. In absoluten Zahlen setzen sich die Kadersoldaten des Bundesheeres aus 3.000 Chargen, also Korporäle und Zugführer, 10.000 Unteroffizieren und 3.500 Offizieren zusammen.
Von den jährlich rund 45.000 stellungspflichtigen jungen Männern ist ein Viertel untauglich oder lediglich teiltauglich. Dann geht noch einmal etwa die Hälfte zum Zivildienst. Unter den Untauglichen sind nicht nur Wohlstandserkrankungen eine Ursache, sondern auch ungenügende Deutschkenntnisse – und das bei Staatsbürgern wohlgemerkt.
Mit sechs Monaten Wehrpflicht wird man nicht auskommen. Nach den ersten Wochen allgemeiner Basisausbildung (ABA) folgt die waffengattungsspezifische Ausbildung. Hinzu kommen dann Assistenzeinsätze und die Festigung des Gelernten auf Kompanie- oder Bataillonsebene. Übungen auf Brigadeebene sind somit illusorisch, während z. B. die USA auf Divisionsebene Manöver durchführen. Gemäß dem altrömischen Ausspruch über die Legionen: Ihre Manöver sind unblutige Schlachten, ihre Schlachten sind blutige Manöver.
Je kürzer die Wehrpflicht ist, umso geringer ist auch die Motivation, sich für eine Milizlaufbahn zu entscheiden. Hat man die sechs Monate erst einmal hinter sich, kommt man mit dem Militär praktisch nicht mehr in Berührung.
Außer der Offiziersgesellschaft, einzelnen aktiven Offizieren und den Freiheitlichen ist jedoch niemand bereit, sich ernsthaft für eine Verlängerung der Wehrpflicht auszusprechen. Das Bundesheer sieht sich somit mit der paradoxen Situation konfrontiert, zwar über ein etwa doppelt so hohes Wehrbudget wie am Ende des Kalten Krieges zu verfügen, jedoch nur über einen Bruchteil der Mannschaften, um das neu hinzukommende Gerät zu bemannen.
Ein ähnliches Szenario gab es bereits in der Militärgeschichte. Im Brückenkopf von Anzio und Nettuno tummelten sich zigtausende Fahrzeuge der anglo-amerikanischen Truppen, jedoch „nur” 50.000 Mann. Mehr Kraftfahrer als Infanterie, wie Churchill monierte.
„Um Krieg zu führen, braucht es drei Dinge: Denare, Denare, Denare.“ So die Zusammenfassung des kaiserlichen Feldheeren Montecuccoli. Im gegenwärtigen Denareregen ist somit Balance und Augenmaß gefragt, wohin die Denare fließen.





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