Nach Einschätzung kirchlicher Vertreter verschärft sich die Lage der Christen im Heiligen Land zunehmend. Insbesondere im Westjordanland sind christliche Gemeinden demnach verstärkt Übergriffen durch israelische Siedler ausgesetzt, wodurch ihre Existenz in der Region zunehmend gefährdet erscheint.
In einem Interview erklärte der Weihbischof von Jerusalem, William Shomali, die Angriffe auf Christen im Westjordanland nähmen zu. Während die Situation in der Region um Bethlehem lange Zeit als vergleichsweise ruhig galt, ist inzwischen eine deutliche Eskalation zu beobachten. Die Ausweitung von Siedlungen gehe demnach mit einer Zunahme von Übergriffen einher, wie EWTN News berichtet.
Systematische Bedrohung christlicher Gemeinden
Dem Bericht zufolge werden christliche Bewohner immer häufiger daran gehindert, ihr eigenes Land zu betreten. Dies geschehe durch Drohungen, körperliche Gewalt und gezielte Sachbeschädigung. So seien beispielsweise Fahrzeuge in Brand gesetzt worden. Besonders betroffen ist das christlich geprägte Dorf Taybeh, wie Shomali schilderte. Die Vorfälle wurden international bekannt. Sogar ein amerikanischer Botschafter habe die Region besucht und Maßnahmen in Aussicht gestellt. „Er versprach, etwas zu tun, aber es wurde nicht viel unternommen“, so der Bischof.
Auch in Birzeit würden Siedler nahezu täglich auftreten und die Bewohner einschüchtern. Sie suchen die Menschen sowohl in ihren Häusern als auch an ihren Arbeitsplätzen auf. Laut Shomali stelle dies eine echte Bedrohung für christliche Familien dar, da viele von ihnen ihre wirtschaftliche Grundlage verlören.
Christen verlieren ihre Lebensgrundlage
Neben direkten Übergriffen kommt es zunehmend auch zu Landbesetzungen. So haben dem Bericht zufolge Siedler das Gelände eines Klosters nahe Bethlehem in Besitz genommen. Dort bewirtschafteten Ordensschwestern einen Hügel mit Olivenbäumen und anderen Pflanzen. Dieser ist nun offenbar Ziel von Aneignungsversuchen mit Blick auf neue Siedlungsprojekte geworden.
Ähnliche Entwicklungen wurden auch aus Beit Sahour, dem Heimatort Shomalis, gemeldet. Dort ist das Land christlicher Familien betroffen. Er habe erst kürzlich gehört, dass ein Grundstück von Siedlern betreten worden sei, die eine israelische Flagge aufgestellt hätten, um zu verdeutlichen, dass das Land nun israelisch sei. Gleichzeitig existiert jedoch ein offizieller Eigentumsnachweis einer christlichen Familie. Nach Einschätzung des Geistlichen verändert sich die Region schrittweise. Gebiete, die Israel als „Judäa und Samaria“ bezeichnet, verlieren zunehmend ihren palästinensischen Charakter und gehen immer stärker in den Besitz von Siedlern über.
AfD warnt vor Christenverfolgung im Nahen Osten
Angesichts dieser Entwicklungen forderte der Europaabgeordnete Tomasz Froelich (AfD) entschiedenes politisches Handeln. „Christen sind die weltweit am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft – im Nahen Osten ist diese Verfolgung besonders stark“, betonte er in einer Stellungnahme. Mit Blick auf Syrien erklärte er, dass sich die Lage seit dem Machtwechsel erheblich verschlechtert habe. Zugleich kritisierte er die europäische Politik scharf. „Dennoch rollt die EU den neuen Machthabern in Damaskus den roten Teppich aus und sagt ihnen Milliardenbeträge zu. Das ist inakzeptabel.“
Froelich weist in seiner Stellungnahme auch auf die Verfolgung von Christen außerhalb Syriens hin. Auch in anderen Teilen des Nahen Ostens würden sie verdrängt – sowohl durch islamistische Kräfte als auch durch territoriale Konflikte. Er stellte für das Westjordanland fest, dass „radikale israelische Siedler palästinensische Christen aus ihren Dörfern vertreiben“. Selbst Orte mit einer nahezu ausschließlich christlichen Bevölkerung seien davon betroffen.
Die zunehmende Gewalt wurde bereits mehrfach von kirchlichen Würdenträgern sowie internationalen Stimmen verurteilt. Froelich forderte daher eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Außenpolitik: „Der Schutz der Christen im Nahen Osten hat oberste Priorität und muss eine unverhandelbare Konditionalität in unserer Außen- und Entwicklungspolitik werden.“ Zudem stellte er klar: „Wer Christen verfolgt, darf nicht von Brüssel und Berlin hofiert und finanziert werden.“




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