FREILICH: Herr Märkl, viele Menschen erkennen politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Warum bleiben dennoch die meisten Zuschauer?
Maximilian Märkl: Meiner Meinung nach liegt das vor allem an zwei Dingen: dem fehlenden Wir-Gefühl und dem Mangel an einem sinnstiftenden Mythos. Es liegt auf der Hand, dass diejenigen, die als Erste gegen ein System aufbegehren, den stärksten Druck zu spüren bekommen. Das System versucht gezielt, an ihnen ein abschreckendes Exempel zu statuieren. Betrachtet man die Lage aus der Perspektive eines Menschen, der in erster Linie auf sein eigenes Wohl bedacht ist und keinen Grund sieht, sich für sein Volk einzusetzen, wird schnell klar: Es ist rational, den Kopf einzuziehen und darauf zu hoffen, dass es einen selbst nicht so hart trifft wie den Dissidenten.
Interessanterweise folgen fast alle großen europäischen Mythen diesem Schema: Ein übermächtiges Übel wird von einem mutigen Helden unter großen persönlichen Opfern besiegt. Eigentlich sind wir Heldenvölker. Genau diese heroische Identität wird jedoch heute systematisch durch kulturelle Entwurzelung und die Dekonstruktion bekämpft. Leider noch erfolgreich, aber der Wind beginnt sich zu drehen.
Sie sagen, den Menschen fehle ein Wir-Gefühl und ein gemeinsamer Mythos. Warum entstehen solche Mythen heute nicht mehr von selbst? Ist das tatsächlich das Ergebnis gezielter Dekonstruktion oder auch eine Folge von Wohlstand und Individualisierung?
Ich denke, dass es tatsächlich gezielte Dekonstruktion ist. In unseren Mythen steckt die gesammelte Lebenserfahrung unserer Vorfahren. Die jahrhundertelange Tradierung war nur möglich, weil die Geschichten von jeder Generation aufs Neue als wertvoll und erzählenswert erachtet wurden. Doch jetzt wird das europäische Erbe radikal uminterpretiert und dekonstruiert. Die Neuverfilmung der Odyssee droht beispielsweise ein neuer Tiefpunkt zu werden. Der Mangel eines mobilisierenden Mythos raubt vielen Zeitgenossen die Kraft zur Selbstbehauptung. Ein Mythos ist ja schließlich nicht einfach nur eine Gute-Nacht Geschichte, sondern der Kompass, nach dem ich mein Leben ausrichte.
Der irische Publizist Keith Woods hat die Frage aufgeworfen, warum Erkenntnis so selten zu Konsequenzen führt. Woran liegt diese Kluft zwischen Wissen und Handeln?
Die wenigsten Menschen gründen aus dem Nichts eine Organisation oder Struktur, um einen Missstand zu bekämpfen. In der BRD war es noch nie leicht, eine funktionierende rechte Struktur zu finden, in der man sich bloß eingliedern muss und dann zusammen Richtung politischer Wende steuert. Der ständige Repressionsdruck führt dazu, dass es sehr schwer ist, eine rechte Organisation zu führen, die Breitenwirkung entfaltet. Besonders wenn hohe persönliche Opfer erforderlich sind, möchten die meisten diese nicht für wenig aussichtsreiche Projekte riskieren. Nur die wenigsten haben genügend Vertrauen in ihre Selbstwirksamkeit, dass sie tatsächlich selbst etwas aufbauen oder einer kleinen Struktur beim Wachstum helfen können.
Wenn die Menschen trotz Problembewusstsein passiv bleiben, könnte das nicht auch bedeuten, dass viele die Lage weniger dramatisch einschätzen als Sie?
Das würde ich nur bedingt unterschreiben. Klar lügen sich einige Menschen ein wenig in die Tasche, um den Alltag zu ertragen. Aber man muss doch nur mal in die alltäglichen Gespräche lauschen: Der Unmut ist greifbar. Und auch in den Umfragen schlägt sich die Stimmung nieder: Nur noch 12 Prozent der Bevölkerung sind zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. Das muss man erst einmal schaffen.
Glauben Sie, dass viele Menschen insgeheim darauf hoffen, andere würden die Probleme ihrer Gesellschaft für sie lösen?
Ja, das ist unbestreitbar. Das sieht man ja an der Verehrung, die beispielsweise ein Björn Höcke erfährt. Aber wie viele der Millionen Zuschauer seines Interviews setzen sich konkret für die AfD ein? Man möchte Klartext und Mut, aber den Preis dafür zu bezahlen? Das ist dann schon wieder ein anderes Thema. Glücklicherweise kann man aber konstatieren, dass diese degenerierte Form von bürgerlichem BRD-Denken unter dem aktuellen Druck massiv ausstirbt. Immer mehr Menschen fassen sich ein Herz und akzeptieren, dass Freiheit erkämpft und nicht verschenkt wird.
Sie kritisieren die Zuschauermentalität und zugleich verweisen Sie auf die Bedeutung charismatischer Persönlichkeiten wie Björn Höcke. Fördert eine starke Führungsfigur nicht gerade die Erwartung, dass „jemand anderes es richten wird“?
Ich würde sagen, dass beides Hand in Hand gehen muss. Man braucht die charismatischen Anführer, um einem Programm ein Gesicht zu geben. Aber dass das rechte Lager unzählige fähige Mitarbeiter in den verschiedenen Ministerien und öffentlichen Ämtern benötigt, wenn es Regierungsverantwortung tragen möchte, liegt auf der Hand. Auch der Kulturbetrieb kann von der Partei nur unterstützt werden. Aber er muss auch von einer Vielzahl von Künstlern getragen werden. Das wären alles Dinge, die man schon jetzt vorbereiten könnte, ohne passiv auf eine „Rettung“ zu warten.
Braucht die Rechte mehr Helden oder mehr funktionierende Institutionen?
Tendenziell würde ich sagen, dass der Fokus auf den funktionierenden Institutionen liegen muss, da diese nachhaltiger sind. Wenn sich die Lebensumstände einzelner „Helden“ ändern oder die Repression zuschlägt, kann das aufgebaute Umfeld wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Realistisch gesehen brauchen wir aber aktuell Helden, um gegen alle Widerstände Institutionen aufzubauen.
Was unterscheidet diejenigen, die aktiv werden, von jenen, die sich auf politische Kommentare, Podcasts und Social-Media-Debatten beschränken?
Ich habe den Eindruck, dass es eine Sorte Mensch gibt, denen das Gewissen einfach keine Ruhe lässt, wenn sie Missständen tatenlos zusehen. Es ist fast wie ein körperlicher Schmerz, wenn man sieht, wie das eigene Land vor die Hunde geht. Es sind auch oftmals spirituelle Menschen, die sich in erster Linie gegenüber Gott und ihrer Ahnenlinie verantworten und nicht gegenüber ihrem linken Nachbarn oder Arbeitskollegen. Und zur Wahrheit gehört natürlich auch noch, dass wir die Autisten auf unserer Seite haben, die den sozialen Repressionsdruck einfach nicht spüren. (lacht)
Wenn rechte Organisationen trotz Repression heute über Parteien, Vorfeldorganisationen, Medienprojekte und Millionenreichweiten verfügen – ist das Bild eines allmächtigen Unterdrückungsapparates noch zutreffend?
Allmächtig ist der Repressionsapparat wahrlich nicht. Ganz im Gegenteil: Im Gegensatz zu früher wirken die Behörden sehr nervös, schießen mit ihren Maßnahmen häufig übers Ziel hinaus und demaskieren sich somit selbst. Nichtsdestotrotz muss man konstatieren, dass man nach wie vor einen nicht unerheblichen Preis bezahlen muss, wenn man sich für seine Heimat einsetzen möchte. Und aus den bereits beschriebenen Gründen erschwert das ein Wachstum unserer Bewegung in der Breite. Dementsprechend muss es weiter eines unserer Hauptziele sein, die Repression ins Leere laufen zu lassen: durch Solidarität mit Betroffenen und breiter Aufklärung über die Methoden unserer Gegner.
Sie sagen scherzhaft, die Rechte habe die „Autisten“, die den sozialen Druck nicht spüren. Was sagt das über den Zustand einer Bewegung aus, wenn gesellschaftliche Isolation fast als politische Stärke erscheint?
Es sagt mehr über die Methoden unserer Gegner aus als über unsere Bewegung. Der Schattenmacher beschreibt in seinem lesenswerten Kaplaken-Band „Anarchotyrannei“ zwei Archetypen von Machthabern. Löwen, die ihre Positionen konsequent und notfalls mit Gewalt durchsetzen, und Füchse, die hauptsächlich mit der geschickten Manipulation von Informationen regieren. Die aktuellen Machthaber gehören ganz klar zur zweiten Gruppe. Ihr Handwerk ist die Propaganda und die Einschüchterung. Wenn man sich von diesem Schauspiel nicht beirren lässt, hat man erstaunlich wenig zu befürchten.
Ab welchem Punkt wird politisches Interesse zur Verantwortung? Gibt es einen Moment, an dem Wegschauen keine Option mehr ist?
Ich würde das bejahen. Dinge, die man einmal gesehen hat, können nicht mehr ungesehen gemacht werden. Wer die Tragweite der demografischen Entwicklung in Kombination mit der Massenzuwanderung einmal verstanden hat, kann nicht mehr überrascht sein, warum sich die Lage in Deutschland kontinuierlich verschlechtert. Man beginnt zu verstehen, dass Remigration der „Easy Switch“ ist, mit dem man einen Großteil der Probleme im Land lösen kann. Und spätestens wenn man in seine besten Jahre kommt, hat man viele Angehörige, die beschützt werden müssen. Kinder können sich nicht wehren, wenn sie von einer Überzahl Migranten in der Schule schikaniert werden. Alte können sich nicht wehren, wenn sie im Pflegeheim misshandelt werden. Es wäre verantwortungslos, sie sehenden Auges in dieses Unheil laufen zu lassen.
Sie nennen Remigration einen „Easy Switch“, mit dem sich ein Großteil der Probleme lösen lasse. Welche konkreten Probleme würden dadurch verschwinden – und welche nicht?
Die Menschen denken bei Remigration natürlich als Erstes daran, dass die innere Sicherheit endlich wiederhergestellt wird, indem die kriminellen Ausländer abgeschoben werden. Aber das deutsche Volk würde noch in deutlich mehr Bereichen profitieren. Die Behörden unterdrücken systematisch Informationen und bedrohen jeden, der die Wahrheit ausspricht, mit dem Vorwurf der Volksverhetzung.
Aber lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Jede Form von Sozialkasse, Versicherung oder das Gesundheitssystem würde durch Remigration massiv entlastet werden. Der Wohnungsmarkt würde sich entspannen. Das Vertrauen im Alltag würde zurückkehren, das Bildungsniveau steigen. Die Liste ließe sich noch endlos fortführen. Aber allein diese Aufzählung rechtfertigt die Bezeichnung als „Easy Switch“. Was Remigration natürlich nur bedingt lösen kann, ist unsere Identitätskrise und die zu niedrige Geburtenrate. Aber wenn wir nicht zu uns selbst finden, sind unsere Chancen eh verschwindend gering, die Remigration zu realisieren.
Deutschland steht auch vor Problemen wie Bürokratie, Staatsverschuldung, Überalterung, Wohnungsnot oder Energiepolitik. Warum führen Sie diese überwiegend auf Migration zurück?
Ich bin der Überzeugung, dass die Deutschen ihr volles Potenzial nur dann entfalten können, wenn sie ihrer Eigenart nach leben können. Es entsteht ein Gemeinschaftsgeist des Vertrauens und der Effizienz, wenn wir zusammenarbeiten. Dafür braucht es allerdings ein Wir-Gefühl und ein gemeinsames Ziel. Beides hat man uns in den letzten Jahrzehnten genommen. Die Bewältigung der Migrationskrise wird uns diesen Sinn hoffentlich wieder zurückgeben.
Sie haben Medizin studiert und hätten einen sicheren, angesehenen Berufsweg einschlagen können. Warum haben Sie sich stattdessen entschieden, einen erheblichen Teil Ihres Lebens politischer Arbeit zu widmen?
Für mich ist klar: Es handelt sich hier nicht nur um eine politische, sondern um eine zivilisatorische Krise. Volk und Familie bilden das Fundament von allem, was mir lieb und heilig ist. Deutsche haben das Land in seiner Einzigartigkeit aufgebaut. Überall dort, wo keine Deutschen mehr leben, hört Deutschland auf, Deutschland zu sein. Und man darf nie vergessen: Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft. Wir haben nur eine Heimat, in der man wie selbstverständlich Hilfe und Schutz erfährt und sich nicht erklären muss. Wenn diese Dinge existenziell bedroht sind, muss man als Mann alles stehen und liegen lassen und zur Hilfe eilen.
Sie sprechen von Deutschen als Schicksalsgemeinschaft. Gibt es für Sie auch Verpflichtungen innerhalb dieser Gemeinschaft – etwa gegenüber sozial Schwachen oder politischen Gegnern?
J. R. R. Tolkien sagte einmal: „Treulos ist, wer Lebwohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“ Ich kann diesen Satz nur unterschreiben. Loyalität und Treue sind nur so viel wert, wie sie in schweren Zeiten gelebt werden. Eine Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass aus Liebe heraus echte Fürsorge entsteht. Ich erkenne mich in meinem Nächsten und helfe ihm, wenn er unverschuldet in Not gerät. Darüber hinaus lässt man seine Leute auch nicht fallen, wenn sie einem Irrtum erliegen. Ich bin überzeugt, dass nur die wenigsten unserer Gegner intrinsisch böse sind. Sie sind eher einem der perfidesten Propaganda-Systeme aller Zeiten zum Opfer gefallen. Wir müssen immer bedenken, dass unsere Gegner ganz bewusst die Manipulation schon im frühesten Kindesalter einsetzen. Dass nur die wenigsten die Kraft haben, sich gegenüber diesem vor allem im Westen beinahe lückenlosen Propaganda-Apparat eine innere Unabhängigkeit zu bewahren, darf nicht überraschen. Ich möchte mich für alle Deutschen einsetzen: die Starken, die Schwachen, die Kranken und ja, auch für die Linken. Zusammen finden wir alle wieder zu alter Stärke zurück.
Gab es in Ihrem eigenen Leben einen Schlüsselmoment, an dem aus politischem Interesse persönliches Engagement wurde?
Tatsächlich hat mich die Corona-Krise meiner letzten Illusionen beraubt und mich auch ein Stück weit von meinem Berufsstand entfremdet. Ich habe persönlich schwerste Verbrechen gegenüber schutzlosen Patienten bezeugen müssen. Mir wurde klar: Dieses System ist totalitär und uns feindlich gesinnt. Jetzt muss man sich stellen oder aufgeben. Letzteres war für mich keine Option.
War Corona für Sie ein Auslöser politischer Aktivität – oder eher eine Bestätigung von Überzeugungen, die bereits vorher vorhanden waren?
Nein, der Auslöser war eindeutig, den Niedergang meiner geliebten Heimatstadt Augsburg zu bezeugen. Die Stadt steht ja noch, aber man trifft kaum mehr einen echten Augsburger an. Corona hat mir lediglich gezeigt, wie weit unsere Gegner bereit sind, zu gehen, und dass man mit Forderungen nach Reförmchen und Teilzeit-Widerstand nicht gegen sie bestehen kann.
Viele junge Menschen fragen sich heute: „Was kann ich überhaupt tun?“ Was antworten Sie ihnen?
Meine Antwort lautet: Es gibt für wirklich jeden den richtigen Platz im Widerstand. Das rechte Mosaik umspannt fünf Bereiche: Partei, Bewegung, Gegenkultur, Gegenöffentlichkeit und Theoriebildung. Ich würde vor allem auf die eigenen Stärken und Schwächen schauen und mich dann entsprechend für einen Bereich entscheiden. Wichtig ist nur, dass man zusammen mit den anderen Akteuren an einem Strang zieht.
Wo sehen Sie den größten Hebel für engagierte Menschen: in Parteien, Aktivismus, Kulturarbeit, Medienprojekten oder im Aufbau persönlicher Netzwerke und Gemeinschaften?
Ich persönlich sehe den größten Hebel in den Ideen. Victor Hugo schrieb einmal: „Man kann der Invasion von Armeen Widerstand leisten, aber keiner Invasion von Ideen.“ Ich persönlich liebe es, als Aktivist der wichtigsten Idee unserer Zeit den Weg zu ebnen. Die erfolgreiche Popularisierung des Remigrationsbegriffs zählt unbestreitbar zu den größten strategischen Erfolgen der letzten Jahre. Dennoch halte ich nicht viel davon, Hierarchien aufzumachen. Jeder soll das tun, wovon er am meisten überzeugt ist und wofür er am besten geeignet ist, solange der Grundkonsens gewahrt bleibt. Dieser muss ganz klar lauten: „Deutschland muss die Heimat der Deutschen bleiben.“
Wenn Deutschland primär über ethnische Kontinuität definiert wird: Welche Rolle spielen dann Verfassung, Sprache, Kultur und gemeinsame politische Werte?
Als Identitäre Bewegung setzen wir uns für den Erhalt der ethnokulturellen Identität ein. Beides ist uns somit gleichermaßen wichtig. Ein Deutschland, in dem beispielsweise 80 Millionen Afroaraber und Inder einen Verfassungspatriotismus ausleben, deutsche Gedichte rezitieren und das BIP hochtreiben, ist für uns ebensowenig erstrebenswert wie ein Deutschland, in dem ethnisch Deutsche komplett degeneriert und von ihrer Kultur entfernt leben. Beides kann im Übrigen auch unter keinen Umständen nachhaltig funktionieren, wie man am aktuellen Zustand der BRD eindrucksvoll beobachten kann. Ethnos und Kultur stehen in einer engen Wechselbeziehung. Erst haben wir das Volk, aus dem dann eine Kultur erwächst, die dabei nicht beliebig oder zufällig ist. Sie spiegelt die Eigenschaften des Volkes wider. Dementsprechend lehnen wir soziale Experimente wie den Bevölkerungsaustausch von vornherein ab.
Wenn Sie einem politisch interessierten Zwanzigjährigen nur einen einzigen Rat geben dürften – welcher wäre das?
Baue schon heute am Deutschland von morgen! Die BRD wird in ihrer aktuellen Verfasstheit langfristig scheitern. Der deutsche Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde sagte einmal: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Und aktuell wird wirklich alles getan, um diese Voraussetzungen zu zerstören. Folglich steht das Establishment nur vor zwei Optionen: Entweder es lenkt ein oder es scheitert. In beiden Fällen ist es aber das Schlechteste, wenn man sich aktuell an Ratschlägen und Regeln einer Elite orientiert, die sicher keine Zukunft hat. Dementsprechend: Lass dir weder etwas einreden noch dich einschüchtern. Setze dich stattdessen bedingungslos für die Dinge ein, die ewig währen: Familie, Volk und Vaterland!
Was wäre für Sie ein realistisches Szenario in zehn oder zwanzig Jahren: Reform, Transformation oder tatsächlicher Zusammenbruch?
Ich halte das ehrlich gesagt für Kaffeesatzleserei. Niemand von uns vermag, in die Zukunft zu sehen. Und das ist auch gut so: Der Verlauf der Geschichte ist kontingent und hängt von menschlichem Handeln ab. Ich werde alles daran setzen, dass es zu einer möglichst friedlichen Transformation kommt und schon unsere Kinder ein wesentlich deutscheres Deutschland genießen dürfen.
Viele politische Bewegungen haben den baldigen Zusammenbruch bestehender Systeme vorhergesagt und sich geirrt. Warum sollten Ihre Prognosen belastbarer sein?
Grundsätzlich verstehe ich natürlich das Lager derjenigen, die im Internet „Nichts passiert jemals“-Memes teilen. Das bestehende System wird nicht in einem großen Knall kollabieren. Auch wenn man am Zusammenbruch der DDR sehen kann, dass es im Zweifel auch mal recht schnell gehen kann. Ich würde aber behaupten, dass vieles von dem Zusammenbruch, den ich beschreibe, bereits eingetreten ist. Die Autorität der klassischen Institutionen der BRD liegt schon jetzt am Boden: Welcher junge Mensch interessiert sich noch für Statements der Altparteien, für die Tagesschau oder für Einschätzungen des Verfassungsschutzes? Welcher junge Mensch hat noch eine Teilhabe am Wohlstandsversprechen der BRD? Wenn die alten Eliten keine Autorität mehr haben, werden zwangsläufig neue auf den Plan gerufen. Es ist höchste Zeit, sich an dem Aufbau einer deutschen Gegenelite zu beteiligen.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Deutschland im Sinne Ihrer Vorstellungen neu zu gestalten: Welche drei konkreten politischen Maßnahmen würden Sie als Erstes umsetzen?
Zu allererst, welch Überraschung, natürlich Remigration. Als Nächstes würde ich eine Bildungsreform durchführen: Die Schulen und Universitäten müssen wieder Orte der Bildung und positiven Identitätsstiftung werden. Die dritte Maßnahme wäre ein „Ministerium für Heimat und Familie“. Dieses Ministerium hätte keine andere Aufgabe als die demografische Krise zu bekämpfen und die Heimat in einer Art und Weise zu gestalten, dass junge Familien Deutschland als Heimat genießen und erleben können.
Woran würde ein gewöhnlicher Bürger nach fünf Jahren erkennen, dass Ihr Modell erfolgreicher ist als das heutige?
Sein größtes Problem im Alltag wäre deutscher Kinderlärm.
Welche Fehler der historischen Rechten müssten unbedingt vermieden werden, damit ein solcher Wandel nicht scheitert?
Wir müssen unbedingt lernen, uns professionell und arbeitsteilig für unsere Heimat einzusetzen. Die verschiedenen Bereiche des Mosaiks müssen sich ergänzen. Dabei sind zwei Dinge entscheidend: einerseits sich nicht voneinander zu distanzieren, aber gleichzeitig auch nicht durch Unprofessionalität die Beziehungen zu belasten. Ein funktionierendes Mosaik könnte viele Deutsche aus der Passivität herausholen, die wir alle beklagen. Wenn wir das erreichen, kann es nur noch heißen: „Wer gegen uns?“
Herr Märkl, vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person:
Maximilian Märkl studierte Medizin und ist heute als Aktivist der Identitären Bewegung tätig. Inzwischen ist er Bundessprecher der Identitären Bewegung Deutschland und befasst sich vor allem mit Fragen der Identität, Remigration und dem Aufbau politischer Strukturen.





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