Die Gründe für den Medikamentennotstand in Deutschland

In einem Interview äußerte sich der Leiter der Klinikapotheke in Freiburg zu den Zusammenhängen von Versorgung, Preisniveau und Globalisierung.
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Freiburg. – Der Apotheker und Professor Dr. Martin J. Hug kommentierte im Gespräch mit heise.de die Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland während der Corona-Krise. Er hat den Medikamentenmangel in Deutschland untersucht und kam zu dem Schluss, dass außer Italien und Korea alle Hauptproduktionsländer für Pharmazie dauerhaft produziert und geliefert hätten. Besonders brisant: Die „schmerzhaften“ Lieferengpässe betreffen primär ein in Deutschland hergestelltes Medikament. Dies hänge laut Hug mit der marktwirtschaftlichen Logik der Medikamentenherstellung zusammen: „Sie können ja auch einen Hersteller von Luxusautos nicht dazu verpflichten, seine Fahrzeuge zum halben Preis abzugeben.“

Heimische Produktion unter Druck

Anbieter können nicht gezwungen werden, bestimmte Präparate in ihren Werken herzustellen. Nur bereits bestehende Verträge mit Produzenten können von den Krankenkassen eingefordert werden. Besonders die global agierenden Hersteller halten auch unrentable Präparate durch ihre wirtschaftliche Stärke auf dem Markt. Diese Praxis hat zur Folge, dass zwar häufig genügend Medikamente verfügbar sind, nur eben von der falschen Sorte. Die starke Monopolisierung erledige laut Hug den Rest. Für das Präparat Penicillin V gäbe es weltweit etwa nur eine einzige Fabrik, die sich in Österreich befindet.

Die angespannte Situation im Gesundheitssektor vereinnahmt weiterhin einen Großteil der medialen Aufmerksamkeit. Die Corona-Pandemie hat diverse Mängel offenbart, die eine öffentliche Debatte auslösten.

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