Mit einem neuen Buch blickt die FPÖ auf ihre 70-jährige Parteigeschichte zurück. Unter dem Titel „Klare Verhältnisse | Alles für Österreich“ präsentierten FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker und Autor Andreas Mölzer in Wien eine freiheitliche Bilanz seit der Parteigründung im Jahr 1956. Das Werk versteht sich nicht als bloßer Jubiläumsband, sondern als politische Standortbestimmung – und zugleich als Gegenentwurf zu einer aus Sicht der FPÖ einseitigen öffentlichen Darstellung ihrer Geschichte.
FPÖ sieht sich als Gegenpol zum Establishment
Hafenecker betonte bei der Präsentation, dass 70 Jahre FPÖ auch 70 Jahre Auseinandersetzung mit einem politischen System bedeuteten, das die Freiheitlichen immer wieder kleinhalten habe wollen. Der Erfolg dieser Versuche sei überschaubar geblieben, so der Generalsekretär: Heute sei die FPÖ eine politische Kraft, die man „nicht mehr übersehen“ könne. Die Identität der Partei beschrieb Hafenecker mit drei zentralen Begriffen: Freiheit, Heimat und Souveränität.
Schon bei der Gründung der FPÖ sei es darum gegangen, gegen den Proporz und die Dominanz der damaligen Großparteien aufzutreten. Die Freiheitlichen hätten sich als politische Stimme jener verstanden, die sich von SPÖ und ÖVP nicht mehr vertreten fühlten. Hafenecker verwies dabei auf Arbeiter, Bauern, Familien, Senioren und all jene Bürger, die von den „Systemparteien“ im Stich gelassen worden seien. Die FPÖ sei, so seine zentrale Botschaft, keine bloße Protestbewegung, sondern eine Programmpartei: „Wir sind der Anwalt dieser Gruppen.“
Hafenecker wirft ORF einseitige Berichterstattung vor
Besonders scharf kritisierte Hafenecker die Berichterstattung des ORF anlässlich des Jubiläums. Eine jüngste Dokumentation sei aus seiner Sicht kein ausgewogener Rückblick gewesen, sondern ein Beispiel für manipulativen Gesinnungsjournalismus. Statt die gesamte Geschichte der Partei darzustellen, habe man versucht, die FPÖ zu stigmatisieren und zu delegitimieren. Wenn man nach 70 Jahren Parteigeschichte keinen einzigen positiven Befund ziehen könne, liege das entweder an mangelnder Recherche oder an politischer Absicht, so Hafenecker.
Das nun vorliegende Buch solle daher eine andere Perspektive eröffnen. Es dokumentiere nicht nur Krisen, Konflikte und Skandale, sondern auch Leistungen, die nach freiheitlicher Auffassung in Medien und etablierter Geschichtsschreibung oft verschwiegen oder kleingeredet würden. Als Beispiel nannte Hafenecker die von Friedrich Peter unterstützte Wahlrechtsreform von 1970. Diese habe wesentlich dazu beigetragen, den Proporz der damaligen Großparteien aufzubrechen und neuen politischen Kräften parlamentarische Chancen zu eröffnen.
Mölzer zeichnet Geschichte des Dritten Lagers nach
Autor Andreas Mölzer, der das Buch im Auftrag des Freiheitlichen Bildungsinstituts verfasst hat, sprach von einem Textbildband, der die Geschichte der FPÖ und ihres politischen Lagers umfassend darstellt. Dabei wähle das Werk bewusst keinen klassischen chronologischen Zugang. Ausgangspunkt sei vielmehr die aktuelle politische Lage, von der aus der Blick rückwärts bis zu den historischen Wurzeln des Dritten Lagers in der Revolution von 1848 geführt werde.
Mölzer betonte, das Buch sei aus freiheitlicher Perspektive geschrieben, aber kein reiner Jubelband. Auch Brüche, Problemphasen und innerparteiliche Krisen würden behandelt. Gleichzeitig gehe es darum, Leistungen sichtbar zu machen, die aus Sicht der FPÖ in der öffentlichen Debatte zu wenig Beachtung fänden – etwa das Engagement für direkte Demokratie, Volksbegehren, Neutralität oder die Aufarbeitung politischer und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen.
Auch Krisen bleiben Thema
Auch schwierige Kapitel der Parteigeschichte werden in dem Band thematisiert. Hafenecker sprach sich dabei gegen eine pauschale Stigmatisierung des FPÖ-Mitgründers Friedrich Peter aus. Ebenso werde die Entwicklung unter Jörg Haider als Phase einer neuen, breiter aufgestellten FPÖ dargestellt. Die Ibiza-Affäre wiederum werde nicht ausgespart, sondern als Teil einer Geschichte behandelt, in der sich die Partei auch kritisch mit sich selbst auseinandersetzen müsse. Unter Herbert Kickl sei es schließlich gelungen, die FPÖ zur stärksten politischen Kraft im Land zu machen.
Für Hafenecker ist das Jubiläumsbuch eine Pflichtlektüre für alle, die über die Freiheitlichen urteilen wollen. Es soll zeigen, wie die Partei ihre eigene Geschichte versteht: als Entwicklung einer politischen Bewegung, die sich seit sieben Jahrzehnten gegen Proporz, Bevormundung und Ausgrenzung stellt – und die heute mehr denn je den Anspruch erhebt, für die Interessen der Österreicher einzutreten.







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