Berlin. – Immer wieder nehmen Beobachter eine deutliche Schieflage in der Berichterstattung des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wahr. Dabei wird weniger eine offene Zensur kritisiert als vielmehr eine einseitige Gewichtung: Bestimmte politische Begriffe und Milieus würden die Schlagzeilen dominieren, während andere Formen von Extremismus deutlich seltener thematisiert würden.
Hunderte Treffer für „Rechtsextremismus“
Ein Blick auf die Suchfunktionen großer ÖRR-Portale scheint diesen Eindruck zu untermauern. Beim Nachrichtenangebot ZDFheute liefert der Begriff „rechtsextrem“ ganze 830 Ergebnisse. Damit bleibt „rechtsextrem“ ein vielfach stärker gesetztes Daueretikett als vergleichbare Suchbegriffe auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Zum Vergleich: Für „linksextrem“ erscheinen lediglich 76 Treffer und für „linksradikal“ nur 36 Ergebnisse.
Die quantitative Dominanz des Themas ist auffällig. Dadurch entsteht in der Praxis ein medialer Schwerpunkt, der bestimmte politische Akteure und Debattenfelder immer wieder mit demselben Framing verknüpft. FREILICH-Redakteur Bruno Wolters schreibt auf X: „Es gibt Hunderte Treffer zu ‚Rechtsextremismus‘, der Großteil davon mit direktem oder indirektem AfD-Bezug. Daueretikett.“ Dadurch werde Extremismus in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als ein nahezu ausschließlich rechtes Problem dargestellt, während andere Formen politischer Gewalt in der Berichterstattung eher am Rand bleiben.
Genau hier setzt die Kritik an. Denn auch linksextreme Strukturen, Gewalt und Sabotageakte seien gesellschaftlich relevant. „Über linksradikale und linksextreme Aktivitäten wird kaum berichtet, obwohl diese, wie der Fall der sogenannten Vulkangruppe gezeigt hat, sehr wohl gesellschaftlich relevant sind“, betont er. Trotz solcher Beispiele bleibe die mediale Aufmerksamkeit gering.
Tagesschau-Suche zeigt ähnliche Asymmetrie
Ein vergleichbares Bild ergibt sich auch bei der Tagesschau. Die Suche nach „rechtsextrem“ liefert 620 Treffer, während „linksextrem“ nur 19 Ergebnisse liefert. Für „rechtsradikal“ werden 41 Treffer angezeigt, für „linksradikal“ immerhin 26. Doch auch hier bleibt das Verhältnis deutlich zugunsten der rechten Schlagwortdominanz verschoben.
Die daraus resultierende Debatte dreht sich nicht nur um Zahlen, sondern auch um die entstehende Wirkung. Denn die Öffentlichkeit werde nicht allein durch das bestimmt, was gesagt wird, sondern auch durch das, was ständig wiederholt wird – und was kaum vorkommt. „So funktioniert Framing. Nicht durch offene Zensur, sondern durch Gewichtung“, so Wolters. Das Ergebnis sei ein durch die Medien geformtes Weltbild, in dem Extremismus immer nur eine Richtung kenne.





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