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Wechsel nach Moskau: Norwegen wirft Fußballer aus Nationalteam

Die Sport-Sanktionen des Westens gegen Russland werfen einmal mehr ihren Schatten voraus. Diesmal betrifft es allerdings nicht einen russischen Sportler oder Verband, sondern einen norwegischen Fußballer. Grund ist ein mutmaßlich geplanter Wechsel zu Dynamo Moskau.
Julian Schernthaner
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7.9.2022
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2 Minuten Lesezeit
Wechsel nach Moskau: Norwegen wirft Fußballer aus Nationalteam
Bild: Артем Гусев, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Moskau. – Der 12-fache Nationalspieler Mathias Normann (26) wird bis auf Weiteres nicht mehr für die „Löwen“ auflaufen. Dies ließen Verbandspräsidentin Lise Klaveness und Nationaltrainer Ståle Solbakken verlautbaren. Generell mische sich der Verband nicht über die Vereinswahl von Nationalspielern ein. Es herrsche hier allerdings eine außergewöhnlichen Situation – und der norwegische und europäische Fußball sei sich in der gemeinsamen Druckausübung auf das kriegsführende Russland einig, teilte der Verband mit.

Formell ein inner-russischer Wechsel

Die Ausbootung des Spielers von der nordnorwegischen Inselgruppe der Lofoten hat indes auch einen skurrilen Beigeschmack. Denn formell handelt es sich, falls der Medizincheck in Moskau zu einem Transfer führt, um einen Wechsel innerhalb Russlands. Auch wenn Normann zuletzt nach England bzw. Italien verliehen war, so steht er formell seit 2019 beim russischen Erstligisten FK Rostow unter Vertrag. Für den Verein aus der südrussischen Stadt absolvierte er seitdem über 50 Ligaspiele.

Laut Normann könnte es sich beim nächsten Wechsel erneut nur um ein Leihgeschäft zum 11-fachen Sowjetmeister Dynamo Moskau handeln. Man würde ihm also eine vertragliche Situation zum Vorwurf machen, die sich nur dadurch unterscheidet, dass er in russischen Stadien spielen würde. Die UEFA schloss die russischen Clubs – anders als die ukrainischen oder auch die weißrussischen – in dieser Saison auch von den Europacup-Bewerben aus.

Russland-Frage im Sport umstritten

Verschiedene Sportverbände handhaben den Umgang mit russischen Sportlern und Vereinen höchst unterschiedlich. Im Tennis etwa durften russische Athleten weiterhin bei Turnieren spielen, allerdings unter neutraler Flagge. Als das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon sie ausschloss, strichen die Profiverbände ATP und WTA die Vergabe der Weltranglistenpunkte. In der Formel 1 verlor der russische Pilot Nikita Masepin sein Cockpit, der russische Grand Prix wurde ersatzlos gestrichen. Russische Team-Besitzer wie Roman Abramowitsch (FC Chelsea) wurden teils zur Veräußerung ihrer Vereine gezwungen.

Große Kritik am Sportbann gegen Russland übte das französische Ex-Biathlon-Ass und heutiger Jugendtrainer Simon Fourcade, der den Verbänden Heuchelei vorwarf, wenn diese zugleich kein Problem damit hätten, in China oder in arabischen Ländern Wettkämpfe abzuhalten. Dies führte zu scharfer Kritik des ukrainischen Biathleten Dmytro Pidrutschnyj, dem ukrainischen Verfolgungs-Weltmeister von 2019, der im Frühjahr für sein Land einrücken musste (TAGESSTIMME berichtete).