Berlin. – Die Sicherheit Israels als Teil der deutschen Staatsräson findet in der Bevölkerung nur noch bei einer Minderheit Zustimmung. Das geht aus dem aktuellen „Stimmungsbild Israel“ hervor, das die NGO ELNET gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben hat. Demnach stimmen 27 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson sei. 53 Prozent lehnen dies ab, 20 Prozent zeigen sich unentschieden.
Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So liegt die Zustimmung im Westen Deutschlands mit 29 Prozent höher als im Osten, wo lediglich 20 Prozent der Befragten die Aussage unterstützen. In den verschiedenen Altersgruppen fällt die Zustimmung bei den 30- bis 39-Jährigen am niedrigsten aus. Die höchste Zustimmung wird mit 32 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen gemessen.
Parteipolitisch unterscheiden sich die Werte ebenfalls deutlich. Die höchsten Zustimmungswerte werden mit 45 Prozent unter Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen verzeichnet. Deutlich geringer fällt die Zustimmung bei den Unterstützern der AfD (25 Prozent), des BSW (elf Prozent) sowie der Linken (acht Prozent) aus.
Geteilte Ansichten zu deutsch-israelischem Verhältnis
Auf die Frage nach dem aktuellen Verhältnis zwischen Deutschland und Israel äußern sich viele der Befragten unentschlossen. 41 Prozent bewerten die Beziehungen weder positiv noch negativ. 37 Prozent sehen das Verhältnis negativ, während 22 Prozent es positiv beurteilen.
Ein Blick auf die Parteianhängerschaften zeigt, dass nur FDP-Wähler das Verhältnis mehrheitlich positiv beurteilen – nämlich 62 Prozent von ihnen. Hingegen sind 20 Prozent unentschieden und 18 Prozent negativ eingestellt. Bei den Anhängern aller übrigen im Bundestag vertretenen Parteien überwiegen skeptische oder neutrale Einschätzungen.
Sicherheitspolitik als wichtigste Kooperationsfrage
Ungeachtet der zurückhaltenden Bewertung der bilateralen Beziehungen sprechen sich zahlreiche Befragte für eine Zusammenarbeit in bestimmten Politikbereichen aus. An erster Stelle steht die Bekämpfung von Radikalisierung und Terrorismus. 35 Prozent der Befragten nennen diesen Bereich als das wichtigste Feld der künftigen deutsch-israelischen Kooperation. Knapp dahinter folgt die Verteidigungspolitik mit 34 Prozent.
Weitere Prioritäten sind Wissenschaft und Bildung mit 28 Prozent, Handel mit 24 Prozent sowie Kultur mit 16 Prozent. Neue Technologien, wie beispielsweise die E-Mobilität, erreichen 13 Prozent, der Klimawandel elf Prozent, das Thema Energie acht Prozent und das Thema Gesundheit sechs Prozent. Gleichzeitig geben 29 Prozent an, keines der genannten Themen zu bevorzugen oder dazu keine Meinung zu haben.
Die Zusammenarbeit in der Terrorismus- und Extremismusbekämpfung stößt besonders bei älteren Befragten auf Zustimmung. Die Kooperation im Verteidigungsbereich wird vor allem von Menschen im Alter von 30 bis 39 Jahren überdurchschnittlich unterstützt.
Antisemitismus bleibt Thema
Die Umfrage erfasst auch die Wahrnehmung von israelbezogenem Antisemitismus in Deutschland. Eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten hält dieses Phänomen für stark beziehungsweise sehr stark ausgeprägt. 25 Prozent sind unentschieden. Lediglich 22 Prozent sehen israelbezogenen Antisemitismus als wenig oder gar nicht ausgeprägt an. Eine starke Ausprägung wird überdurchschnittlich häufig unter den Anhängern der Grünen (67 Prozent), der CDU/CSU (62 Prozent), der FDP (57 Prozent) und der SPD (55 Prozent) wahrgenommen. Niedrigere Werte finden sich bei den Unterstützern der Linken (39 Prozent) und des BSW (42 Prozent).
Das „Stimmungsbild Israel“ wurde von ELNET gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben. Die Stichprobengröße beträgt 2.500 Befragte. Der statistische Fehler liegt laut Angaben der Erheber bei rund 3,8 bis 3,9 Prozent.







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