Innsbruck. – Innerhalb weniger Wochen starben mehrere minderjährige Mädchen aus der lokalen Drogenszene der Tiroler Landeshauptstadt. Allein drei Mädchen im Alter von 13, 14 und 16 Jahren verloren ihr Leben durch mutmaßliche Überdosen. Diese Tragödien, die sich seit Ende Februar 2026 ereigneten, werfen ein grelles Licht auf systematische Ausbeutungsstrukturen, die junge Mädchen gezielt in Abhängigkeit und sexuelle Gewalt treiben.
Fünf Tote seit Ende Februar
Im April berichteten mehrere Medien über den jüngsten Todesfall: Eine 14-Jährige wurde tot in einer Wohnung im Stadtteil Dreiheiligen aufgefunden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Ende Februar auf fünf, darunter mehrere Jugendliche. Die Opfer kannten sich untereinander. Klaus Kapelari, der ärztliche Leiter des Kompetenzzentrums Gewaltschutz, erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung: „Alle drei Mädchen haben sich gekannt. Sie waren in der gleichen Clique.“
Die Serie begann am 28. Februar mit dem Tod einer 16-Jährigen. Es folgten weitere Fälle, darunter der Tod einer 13-Jährigen, die mit der 16-Jährigen befreundet war und sie erst wenige Monate zuvor in der Haller Psychiatrie kennengelernt hatte. Im Fall der 13-Jährigen steht die Todesursache bereits fest: Sie starb nach dem Konsum mehrerer harter Drogen, darunter Kokain, Opiate und Psychopharmaka.
Gezielt in Abhängigkeit gelockt
Experten beschreiben ein perfides Muster, von dem besonders schutzbedürftige Mädchen betroffen sind. Klaus Kapelari zeichnet ein düsteres Bild: „Zuerst erhalten die Opfer günstig Drogen, dann werden dafür einschlägige Fotos verlangt.“ In weiterer Folge geht es noch weiter: Wenn die Mädchen ihren steigenden Konsum nicht mehr finanzieren können, müssen sie sexuelle Gefälligkeiten erbringen. Teilweise würden ihnen so große Mengen an Suchtgift verabreicht, dass sie das Bewusstsein verlieren.
Der Innsbrucker Hauptbahnhof gilt als zentraler Umschlagplatz dieser Szene. Viele der betroffenen Mädchen stammen aus schwierigen Verhältnissen oder standen unter der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe. Wie die Heute-Zeitung Ende April berichtete, erhob die Mutter der 13-Jährigen schwere Vorwürfe gegen die Behörden, da ihre Tochter nicht ausreichend geschützt worden sei.
Parallelen zu Salzburg
Das Vorgehen in Innsbruck folgt einem Muster, das aus anderen österreichischen Städten bekannt ist. So berichtete mehrere Medien über ein heute 14-jähriges Mädchen, das in Salzburg ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Sie schilderte ihre Zeit in der „Bahnhofsclique“ und sagte: „Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass das alles real ist.“
Sie beschrieb Einzimmerwohnungen und sagte: „Überall lagen Matratzen.“ Die Mädchen erhielten Drogen und mussten dafür Sex über sich ergehen lassen. Sie sei in mehr als einem Dutzend solcher Wohnungen gewesen. Einmal wurde ihr, als sie wehrlos war, Heroin verabreicht. „Ich habe mitbekommen, wie drei Männer Dinge mit mir gemacht haben“, berichtete sie. Sie und andere Mädchen aus ihrer Clique wurden gezielt angesprochen und in diese Kreise hineingezogen. Aus Angst erstatten viele Betroffene keine Anzeige – die Täter wissen oft, wo die Mädchen wohnen, und nehmen ihnen teilweise sogar die Ausweise ab.
Warnungen aus Wien
Ähnliche Fälle hatten sich bereits 2025 in Wien gehäuft. Laut Medienberichten starben sieben Personen unter 18 Jahren, die in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) standen, an den Folgen von Drogenmissbrauch. Belinda Plattner, die Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Salzburg, warnte: „Die Mädchen erzählen, dass sie am Salzburger Hauptbahnhof von arabischstämmigen jungen Männern angesprochen werden, die ihnen Drogen anbieten und noch mehr Drogen in Wien versprechen.“
Plattner schilderte weiter: „Die Mädchen werden dann aber oft überredet, mehrere Tage zu bleiben. Sie servieren den Männern Tee und leben mit ihnen zusammen. Zunächst vermitteln ihnen die Männer noch Anerkennung, oft kommt es dann aber zu sexuellem Missbrauch und zu sehr entwertendem Verhalten gegenüber den Mädchen.“
Ein Muster, das an britische Grooming Gangs erinnert
Die Berichte aus Innsbruck, Salzburg und Wien zeigen ein wiederkehrendes Muster: Minderjährige Mädchen aus benachteiligten Verhältnissen werden gezielt mit kostenlosen Drogen angelockt, abhängig gemacht und anschließend sexuell ausgebeutet – häufig durch Gruppen. Dieses Vorgehen ähnelt stark dem der sogenannten Grooming-Gangs in Großbritannien, die über Jahre hinweg Tausende Mädchen systematisch missbrauchten und von den Behörden lange verharmlost wurden.
Auf die jüngsten Todesfälle reagiert die Tiroler Landesregierung nun mit drei neuen 24/7-Betreuungsplätzen für drogenabhängige Minderjährige unter 14 Jahren und einem Budget von 800.000 Euro.







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