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Gesellschaft

Bequem überwacht: Das freiwillige Panoptikum

„Ich fürchte die Digitalisierung, auch wenn sie Komfort verspricht!“ Übertreibt der analoge Laokoon oder befinden wir uns bereits in einer Dystopie?

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Mit jedem digitalen Komfortangebot wächst auch die Menge an Informationen, die Nutzer freiwillig preisgeben.
Mit jedem digitalen Komfortangebot wächst auch die Menge an Informationen, die Nutzer freiwillig preisgeben. (Bild: IMAGO / Jochen Tack)

Alexa, schreibe einen Artikel mit 10.000 Zeichen – inklusive Leerzeichen – zu folgendem Thema: Smartphones, soziale Netzwerke, digitale Bezahlsysteme und andere Komfortangebote führen dazu, dass wir immer mehr Daten und Verhaltensspuren preisgeben. Hieraus entsteht eine Infrastruktur, auf die auch staatliche Stellen zunehmend zugreifen können. Im Zentrum soll die Frage stehen, was mit Freiheit, Privatsphäre und öffentlichen Dissens geschieht, wenn ständige Sichtbarkeit zur gesellschaftlichen Normalität führt.

Der Leser kann am Ende des Textes entscheiden, ob der Verfasser den Beitrag mittels eines Hilfsprogramms der Künstlichen Intelligenz erstellt oder nach der klassischen Methode in die Tastatur gehauen hat.

Es begann wie immer als vernünftige, einleuchtende und harmlose Verbesserung. Wie jede Form des Fortschritts. Das mühsame Schreiben eines Briefes. Der Gang zum Postamt. Das Abzählen von Kleingeld für die Briefmarke. Allesamt Plagen der Vergangenheit. So ferne Geburtsjahrgänge ab 2000 überhaupt noch eine Vorstellung haben von Telefonzellen, Festnetzanschlüssen, Wählscheiben, das Merken von Telefonnummern und die Einhaltung von Verabredungen, da keine SMS oder WhatsApp versandt werden kann. „Sorry. Was dazwischengekommen. See you another Time.“ Oder dergleichen.

Und mit den harmlosen Erleichterungen gegen die Mühsal des Alltags kamen die harmlosen „Stupser“ der Wohlmeinenden. Eine digitale Parkuhr kann nicht vergessen werden. Ein digitales Parkticket kann nicht zwischen die Sitze rutschen. Kein Kleingeld. Kein Problem. Zahlen Sie nur so lange sie geparkt haben. Mit der App. Scannen und los geht es. Pars pro toto.

So genannte „Stupser“ bzw. „Nudges“ können auch bewusst herbei geführt werden. Mindestsummen, welche bar erforderlich sind, während mittels App nur das tatsächlich Verbrauchte abgebucht wird. Jedoch verbirgt sich hinter der App eine Gebühr. Sowie die Information.

Buchbestellungen via Internet und Lieferdienst offenbaren neben dem Geschmack auch Hinweise auf politische Einstellungen. Also zurück in den Buchladen. Jedoch muss man mit skeptischen Blicken rechnen, wenn man nach dem neuen Sarrazin, einer Neuauflage von „Ein Kampf um Rom“ oder Ernst Noltes „Der Faschismus in seiner Epoche“ - um dem „hippen“ Kampfbegriff auf die eigentliche Spur zu kommen – frägt.

Tummelplatz der Eitelkeiten und Selbstinszenierung

Selbiges gilt für das Fernsehprogramm. „Sieh was Du willst. Wann Du es willst“. Kein langwieriges Warten auf das Hauptabendprogramm. Oder Ärger über verpasste Sendungen. Die Streaming-Dienste liefern immer. Mitunter einen brutalisierten sowie entmystifizierten Tolkien oder eine nubische Helena von Sparta. Ein Schelm wer Böses hierbei denkt.

Die sozialen Medien fungieren als Tummelplatz der Eitelkeiten sowie der Selbstinszenierung und Selbstoptimierung. Vom Weg ins Büro über Kindergarten, Schule und wieder zurück. Theaterbesuch, Kabarett, Konzert. Entsprechend gestylt. Sehen und Gesehen werden. Nicht nur vor Ort, sondern gleich Dutzend-bis Hundertfach via digitalem Profil.

Befeuerung von Anywheres versus Somewheres

Sonnenbaden an der Cote d’Azur, Eislecken in Los Angeles, Bauchfrei in New York. Die Digitalisierung dient als Katalysator zur Vergrößerung der Kluft zwischen Anywheres und Somewheres. Man winkt nicht aus dem Flieger, sondern vom Bildschirm. Quod licet iovis, non licet bovis. Der Kohlendioxidablasshandel macht es wieder gut.

Während die Anywheres Flugmeilen sammeln, darben die Somewheres im „Fly over Country“. Auch hier bietet und spendet Digitalisierung Trost. Ebenso wie während der Corona-Lockdowns. Solange Geld am Konto ist, von dem abgebucht wird, kein Problem. Es kann einem jedoch so ergehen wie dem mittlerweile berühmten Schweizer Oberst Jacques Baud. Hausarrest mit gesperrten bzw. gekündigten Konten.

Geistige wie körperliche Gesundheit leiden. Digitale Demenz ertönte schon vor über zehn Jahren als Warnruf. Konzentrationsschwierigkeiten, geringe Aufmerksamkeitsspannen, mangelnde Lesekompetenz, Orientierungsschwächen und schlicht und ergreifend Unbeholfenheit, welche über normale Tollpatschigkeit hinausgeht. Dieses und mehr wird durch Lehrer, Arbeitgeber, Lehrmeister etc. konstatiert. Dass die Algorithmen, programmiert von progressiven College Kids im Silicon Valley, Suchtfaktoren, Beeinflussung, Manipulation und Gehirnwäsche betreiben, stellt keine Neuigkeit dar.

Harmlose Truman-Show statt dystopischem Orwell

Jedoch können auch Trivialitäten zu Atrozitäten führen. Das chinesische Sozialkreditsystem wird durch die Chinesen erstaunlich gelassen geduldet. Jedoch sind die Chinesen und mit Abstrichen die Russen Meister der Duldsamkeit. Westliche Konsumenten bedürfen hierbei einer Adaptierung.

Gramsci prognostizierte eine Wiederkehr des Faschismus nicht als eben solchen, sondern als Antifaschismus. Ebenso gut könnte man sagen, dass Orwells 1984 nicht als Atrozität in Erscheinung treten wird, sondern als Trivialität a la „Truman Show“ oder „Big Brother Container.“ Nicht das tausendäugige Ungeheuer Argos dient dem nimmersatten Leviathan, sondern die Nudges dienen der Wohlfahrt.

Besagte Digitalisierung geht nicht zufällig mit der Elektrifizierung einher. Fahrräder, Scooter, Autos und demnächst Traktoren, LKWs und Busse werden durch Elektromotoren betrieben werden. Beim Anblick eines nostalgischen Smart mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu einem progressiven, chinesischen Elektrostraßenpanzerkreuzer, werden sämtliche Zweifel im Hinblick auf die wahren Motive zerstreut. Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind es jedenfalls nicht.

Vielmehr bietet die Elektrifizierung mitsamt I-Phone, Kreditkarte, Bezahlfunktion etc. die Möglichkeit totaler Vernetzung wie totaler Überwachung. Beim Black Out oder wenn „Big Brother“ den Stecker zieht, sitzen alle im gleichen Boot.

Nachdem der Lack der Zivilisation dünn ist, stellt sich die Frage, ob man dem Nachbarn aus dem exotischen Orient um Kerzen fragen sollte oder besser nicht. Was wiederum zur Frage von Identitäten führt. Die Ideologie von „One World“ oder dem globalen Dorf wäre wohl kaum möglich ohne eine weltweite Vernetzung in der Jetztzeit. Niemand wäre auf die Idee gekommen 72 Geschlechter zu definieren, hätte er einen Kettenbrief mitsamt Briefmarken und Postgebühr auf sich nehmen müssen. So schreiten wir voran Richtung Transformation, Progressivität sowie Uniformität im Gewand der Pluralität.

Eloi und Morlok bevölkern das globale Dorf

Was bleibt am Ende des Tages? Die Geschichte von H. G. Wells „Die Zeitmaschine“. Als ihr Erbauer in die ferne Zukunft reist, trifft er auf zwei Menschenrassen. Die Eloi und die Morlok. Eine Schlüsselszene in der Verfilmung fehlt im Buch, vermutlich weil viktorianische Geister anders getickt haben.

Bestürzt von der Naivität und Hilflosigkeit der Eloi rüstet der Zeitreisende diese zum Kampf gegen die kannibalistischen Morlok. Nachdem dieses Gefecht erfolgreich ausgetragen ist, geht es an den Wiederaufbau der Zivilisation. Der Erfinder reist zurück ins spätviktorianische England und kehrt zurück in die Zukunft. Mit einem Bündel Büchern unter dem Arm. Denn diese sind in der Welt der Eloi nur noch Staub. Allegorisch gesprochen: Was würde der viktorianische Zeitreisende in die digitale Gegenwart an Büchern unter dem Arm tragen? Ilias. Odyssee. Aeneis. Die heilige Schrift. Ranke. Mommsen. Gibbon. Herodot. Thukidydes. Polybios. Aristoteles. Cicero. Caesar etc. Es bleibt jedem selbst überlassen, diese Frage konkret zu beantworten. Andere würden Fachliteratur über Ackerbau und Viehzucht präferieren, um eine neue Zivilisation aufzubauen. Dem Einzelnen verbleiben die kleinen Akte des Widerstandes. Lexikon, Enzyklopädie und Wörterbuch. Eine Runde „Risiko“ statt einer Partie „Age of Empires“. Alte Filme auf VHS oder DVD. Kasettenrecorder etc.

In einer Welt, wo Dienstleistungen ausgetauscht werden, Elektroautos und iPhones über den Ladentisch gehen, welche allesamt im Fernen Osten produziert wurden, liegt der Vergleich mit einem kollektiven Social Media Profil nahe. Mehr Schein als Sein. Und das Gegengift in Gestalt des US-Präsidenten Trump, welcher den Ball des russischen Präsidenten Putin aufgegriffen hat, in Form von Meerengen, Handelsrouten, Rohstoffen, Geografie, Industrie usw., beginnt in der westlichen Hemisphäre zu wirken.

Jede Utopie endet in der Dystopie. Frei nach Sir Karl Popper. Wer glaubt, dass der sanfte Leviathan, nur weil er auf Gewehre und Bajonette verzichtet, geringere Ansprüche der Opferbereitschaft verfolgt, der irrt. Gaslighting, Isolierung, Sabotage bleiben auf der Tagesordnung.

Alexa, füge noch ein paar Sätze über Stasi 2.0 und digitale IMs hinzu.

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