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„The American Conservative“

Katastrophale Zwischenbilanz nach zehn Monaten Ukrainekrieg

Der US-Publizist und Künstler George D. O´Neill jr. hat im US-Magazin The American Conservative eine verheerende Zwischenbilanz des Krieges in der Ukraine gezogen und widerspricht dabei der offiziellen westlichen Sicht in vielen Punkten.

Hagen Eichberger
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23.12.2022
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2 Minuten Lesezeit
Katastrophale Zwischenbilanz nach zehn Monaten Ukrainekrieg
Ukrainische Soldaten (Symbolbild)Ministry of Defense of Ukraine, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

O´Neill jr., der Mitglied des Verwaltungsrates des konservativen US-Thinktanks „American Ideas Institute“ ist, beruft sich auf zahlreiche westliche und europäische Quellen, darunter auch eine Reihe von Mainstream-Medien. Er rekapituliert, dass die Ukraine derzeit rund 20 Prozent ihres Territoriums verloren habe. Mindestens 22 Prozent des ukrainischen Ackerlandes befänden sich unter russischer Kontrolle. „Bei diesen Gebieten handelt es sich um einen großen Teil des in der Minsk-II-Vereinbarung festgelegten Gebiets, das als autonome Bezirke verwaltet werden sollte.“ Aufgrund des Scheiterns des Minsk-II-Abkommens – was jüngst von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel ausdrücklich als Ziel eingeräumt wurde – „erklärte Russland seine militärische Sonderoperation, um diese Gebiete aus dem Griff der ukrainischen Regierung zu befreien“. Einige seiner ursprünglichen Ziele habe Russland demnach fast erreicht.

Ukraine hat 20 Prozent ihres Gebiets verloren

Auch ausweislich westlicher Medienberichte ist die materielle und ökonomische Situation der Ukraine nach einem dreiviertel Jahr Krieg verzweifelt: „CNN berichtete vor einem Monat, dass mindestens 30 Prozent der ukrainischen Kraftwerke zerstört sind. BBC berichtet, dass sechs Millionen Ukrainer ohne Strom sind. EuroNews berichtete kürzlich, dass zwei Drittel von Kiew ohne Strom sind. (...) Das Forbes Magazine berichtet, daß fast die Hälfte der Ukraine ohne Strom ist. Newsweek berichtet, daß dem ukrainischen Energieriesen die Ausrüstung zur Behebung von Stromausfällen ausgeht. Wie lange wird die ukrainische Hauptstadt noch ohne Strom auskommen?“

Die ökonomischen Kennzahlen der Ukraine sind nach neun Monaten Krieg sogar noch verheerender. O´Neill jr. referiert: „Die ukrainische Zentralbank schätzt, dass das BIP des Landes 2022 um 32 Prozent sinken, die Inflation 30 Prozent erreichen und die Arbeitslosigkeit 30 Prozent betragen wird. Die New York Times berichtet, dass die ukrainische Landwirtschaft durch den Krieg geschätzte 23 Milliarden Dollar verloren hat. Der Internationale Währungsfonds berichtet, dass der Krieg in der Ukraine zur schlimmsten Lebensmittelknappheit seit 2008 geführt hat. (...) Brookings [US-Recherche-Institut; d. Red.] berichtet: ‚Der Krieg hat nach Angaben der Kyiv School of Economics mindestens 127 Milliarden Dollar an Gebäuden und anderer Infrastruktur des Landes zerstört.‘“

Schlechte Aussichten

Auch militärisch sind die Aussichten für die Ukraine nicht gut: während sich die ukrainische Offensive in Richtung Cherson totgelaufen habe, könne die russische Seite ihre Stellungen ohne größere Verluste verteidigen. Vor allem aber: „Den USA und Europa gehen die Waffen aus, die sie der Ukraine schicken können. Darüber hinaus berichtet CNN, daß die Waffenlieferungen an die Ukraine zur Neige gehen. Die ukrainische Militärausrüstung, insbesondere die Artillerie, bröckelt, und der Westen kann vieles von dem, was kaputt geht, nicht ersetzen.“

Selbst Stimmen wie der Neokonservative Frederick Kagan räumten mittlerweile ein, daß die NATO auf einen Konflikt wie den in der Ukraine nicht vorbereitet gewesen sei. „Nach Angaben des CEO von Raytheon hat die Ukraine dreizehn Jahre Javelin-Produktion in zehn Monaten verbraucht“, schreibt O´Neill jr.

Der Westen habe sich durch seine Politik in einer ausweglosen Situation verrannt, wofür die Ukraine einen hohen Preis bezahlen müsse. Es sei höchste Zeit, einen Ausweg zu finden, vor allem aber: der Wahrheit ins Auge zu sehen. Unverzüglich müßten Verhandlungen aufgenommen werden, „um die Ukrainer vor dieser menschlichen Tragödie zu bewahren“.