Landtagswahl in Niederösterreich:

Umfragen-Totalabsturz: ÖVP auf historischem Tiefstwert in den Ländern

Die Krise der Kanzlerpartei ist manifest – und sie schlägt sich in den Kernbundesländern umso deutlicher durch. Eine aktuelle Umfrage zeigt: In Tirol und Niederösterreich liegt die Volkspartei in der Wählergunst schlecht wie nie zuvor. In Salzburg würde es nur für den dritten Platz reichen.
Julian Schernthaner
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26.8.2022
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6 Minuten Lesezeit
Umfragen-Totalabsturz: ÖVP auf historischem Tiefstwert in den Ländern
Symbolbild: Axel Hindemith via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0 DE] (Bildausschnitt)

Innsbruck/Salzburg/St.Pölten. – In vier Wochen wählt Tirol einen neuen Landtag – und der ÖVP, seit 1945 durchgängig an der Macht, droht ein historisches Fiasko. Dies weist eine Umfrage von Market & der Paul-Lazarsfeld-Gesellschaft, die per Online-Panel durchgeführt wurde, aus. Auch in zwei weiteren Bundesländern, die im kommenden Jahr zur Urne rufen, geht der Trend steil nach unten. Die Zustimmung im Bund war schon zuvor in den Keller gefallen.

Tirol: Koalition gegen Mattle rechnerisch möglich

Die Umbenennung der ÖVP-Liste in „MATTLE“ hilft dem neuen ÖVP-Landesparteiobmann wenig. Der Umfrage zu folgern würden aktuell nur 25 Prozent für seine Liste abstimmen. Gegenüber der letzten Landtagswahl wäre dies für jene Partei, die jahrzehntelang mit absoluter Mehrheit regierte, ein Einbruch von fast 20 Prozent. Profiteure wären die SPÖ (21%), die FPÖ (19%) und die Liste FRITZ (15%).

Die mitregierenden Grünen rangieren nur mehr einstellig (7%) und kämpfen mit den NEOS (7%) um den fünften Platz. Für die Koalitionsbildung nach der Wahl wäre dies eine spannende Konstellation. Denn die ÖVP müsste sich erstmals auf ein Dreierbündnis einlassen. Zugleich wäre – anders als in der letzten Umfrage vor einem Monat – auch eine Dreierkoalition gegen die ÖVP möglich.

NÖ: ÖVP-Totaleinbruch im Kernbundesland

Ebenso symbolträchtig ist der Einbruch in einer anderen ÖVP-Hochburg – nämlich Niederösterreich. Die mächtigste Landesorganisation, deren Personal an zahlreichen Schalthebeln der Republik sitzt, würde ihre absolute Mehrheit deutlich verlieren. Mit 32 Prozent läge sie derzeit nur mehr knapp vor der SPÖ (29%).

Die Freiheitlichen steuern ihr historisch bestes Ergebnis im Bundesland an, kämen auf 21 Prozent. Die Grünen (5%) lägen weit hinter den NEOS (9%) und müssen allmählich um den Einzug bangen. Die MFG (4%) kann sich Hoffnungen machen, wie in Oberösterreich den Sprung in den Landtag zu schaffen. Ein Sechs-Parteien-Landtag wäre ein Novum in St. Pölten.

Salzburg: Blau-roter Kampf um Wahlsieg blüht

Aber auch in Salzburg droht der ÖVP einiges Ungemach. Ein Einbruch um über 15 Prozent würde bedeuten, dass die Volkspartei mit 22 Prozent aktuell nur auf den dritten Platz käme, die Ära von Wilfried Haslauer könnte somit bereits im Frühjahr ein jähes Ende nehmen. Den Kampf um den ersten Platz würden sich laut der aktuellen Umfrage derzeit die SPÖ und die FPÖ liefern, die beide bei 24 Prozent liegen. Die schwarz-grün-pinke Landesregierung hätte keine Mehrheit mehr.

Bund: Schwarz-Grün unter 30 Prozent

Bei diesen Umfrageergebnissen dürfte auch der ebenfalls abgefragte Bundestrend einwirken. Auch dort befindet sich die Volkspartei nur mehr auf dem dritten Platz. Die schwarz-grüne Bundesregierung würde derzeit in der Addition nicht einmal mehr 30 Prozent erreichen und haben somit gemeinsam weniger Stimmen als die SPÖ. Die Freiheitlichen können sich auf dem zweiten Platz konsolidieren und sogar leicht zulegen.

Hofburg-Wahl: Muss VdB in die Stichwahl?

Amtsinhaber haben es in der Krise nicht leicht – ein Trend, der sich sogar bei der Hofburg-Wahl zeigt. Laut Daten desselben Instituts ist die Mehrheit für Alexander van der Bellen (Ex-Grüne) aktuell nur mehr äußerst knapp (53 Prozent). Dass ein amtierender Bundespräsident beim zweiten Antritt überhaupt in eine Stichwahl muss, wäre ein Novum – ebenso wie eine allfällige Abwahl.

Um den allfälligen Einzug in eine solche Stichwahl rittern mehrere Kandidaten. Insgesamt 23 Wahlwerber sammeln noch bis 2. September Unterstützungserklärungen, nur wer 6.000 vorweisen kann, steht auch auf dem Stimmzettel. Schaffen dürften dies neben Van der Bellen fünf Kandidaten, wobei FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz in Umfragen unter den Herausforderern die Nase vorn hat.