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Politik

Personalie polarisiert stark: Lauterbach wird deutscher Gesundheitsminister

Nachdem die grüne und gelbe Parteibasis ihren Sanktus zum 186-seitigen Koalitionsvertrag der neuen „Ampel“-Regierung gaben, nimmt die Ressortverteilung immer konkretere Formen an. Zu den am meisten umstrittenen Personalentscheidungen gehört sicherlich Karl Lauterbach (SPD).
Julian Schernthaner
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5 Min.
© Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]
© Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Nachdem die grüne und gelbe Parteibasis ihren Sanktus zum 186-seitigen Koalitionsvertrag der neuen „Ampel“-Regierung gaben, nimmt die Ressortverteilung immer konkretere Formen an. Zu den am meisten umstrittenen Personalentscheidungen gehört sicherlich Karl Lauterbach (SPD).

Berlin. – Noch vor wenigen Tagen nahm man an, dass die wahrscheinliche Auswahl von Annalena Baerbock für die Leitung des Auswärtigen Amts für den meisten Gesprächsstoff sorgen wird. Nun setzte sich die Sozialdemokratie aber über ihren eigenen Parteiproporz hinweg, um Lauterbach ins Amt des Gesundheitsministers zu hieven. Der regelmäßige Talkshow-Gast fiel in den vergangenen 20 Monaten häufig mit mahnenden und nach Ansicht mancher Zeitgenossen panischen Warnungen auf. Beim Corona-Thema gilt er als Hardliner, forderte immer wieder schärfere Maßnahmen.

Forderte immer wieder harte Maßnahmen

Damit bekommt nach Österreich auch Deutschland einen Gesundheitsminister, der auf dem Papier „vom Fach“ ist, wie seine Befürworter argumentieren. Er hat aber auch viele Gegner. Ein offener Brief kritischer Ärzte beklagte etwa im März, dass Lauterbach oft „mit extremen Meinungsbekundungen im Zusammenhang mit SARS-CoV2-Infektionen“ auffalle. Dabei nehme er „zumindest billigend in Kauf, in der Bevölkerung den Irrtum auszulösen“, seine Äußerungen gründeten auf ärztlicher Kompetenz oder ärztlicher Verpflichtung gegenüber dem Allgemeinwohl“. Er möge daher seine ärztliche und politische Betätigung öffentlich sichtbarer Trennungen. Über 13.000 Bürger unterzeichneten den Aufruf.

Tatsächlich polarisieren seine Aussagen stark – und oftmals lag er mit übervorsichtigen Warnungen falsch. Eine von ihm infolge der Fußball-Europameisterschaft prognostizierte Welle im Sommer blieb zumindest auf dem Kontinent aus. Als die Afghanistan-Krise im August mit der Machtübernahme der Taliban wieder Fahrt aufnahm, sorgte er sich zuvorderst um die Schließung dortiger Impfzentren. Im Jänner entsetzte er viele Bürger, als er einen unbefristeten Lockdown für das ganze Volk forderte. Zuletzt redete er sich auf Twitter den Mund fusselig, um für die bundesweite 2G-Regel und die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht zu werben.

Etwas Freude, viel Ärger über Lauterbach als Minister

Entsprechend zwiegespalten waren auch die Reaktionen, als die Besetzung des in der aktuellen Lage als Kernressort zu bezeichnenden Ministeriums mit seiner Person bekannt wurde. Als Liebling etablierter Medien konnte so mancher Journalist, in diesem Fall ein Welt-Redakteur, seine Freude über Lauterbach nicht verhehlen.

Mit #Lauterbach hat sich bei der Ampel nach Özdemir zum zweiten Mal der Leistungsgedanke und die demokratische Öffentlichkeit gegen Proporz, Quote und Klüngel der Parteien durchgesetzt. Bemerkenswert. @welt

— Robin Alexander (@robinalexander_) December 6, 2021
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Auch so mancher Politiker des Mitbewerbers konnte sich für diese Auswahl erwärmen. So etwa Norbert Röttgen, der sich aktuell zum zweiten Mal für den CDU-Vorsitz bewirbt.

Karl #Lauterbach hat sich aus seiner Persönlichkeit, seinem Intellekt & Engagement heraus ein unglaubliches Vertrauen in der Gesellschaft erarbeitet. Ich freue mich für ihn, dass das belohnt wird und wünsche ihm bei seiner neuen Aufgabe als #Gesundheitsminister viel Erfolg!

— Norbert Röttgen (@n_roettgen) December 6, 2021
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Weniger erfreut zeigte man sich bei Vertretern der AfD. Für Fraktionschefin Alice Weidel hätte es „nicht schlimmer kommen können.“

Während ihm die #SPD noch in der letzten Legislatur keinerlei Kompetenz in Gesundheitsfragen zutraute und er deshalb keinerlei Funktionen bekleidete, wird Karl #Lauterbach nun tatsächlich #Gesundheitsminister. Schlimmer hätte es für #Deutschland nicht kommen können.

— Alice Weidel (@Alice_Weidel) December 6, 2021
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Auch kritische Journalisten wie Boris Reitschuster zeigten sich über die Auswahl entsetzt.

Für manche scheint #Lauterbach ein Messias zu sein.
„Kampf mit der Pandemie gewinnen“.
“Endlich kann es wieder gut werden.“
Psychologisch hoch interessant.
Für unser Land verheerend.
Danach werden sie wieder sagen, man hätte es doch nicht ahnen können.
Doch.
Hätte man. pic.twitter.com/hLuHNd2pvo

— Boris Reitschuster (@reitschuster) December 7, 2021
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Die innerhalb ihrer Linkspartei zunehmend isolierte Sahra Wagenknecht, die allerdings für ihre kritische Haltung über die Lagergrenzen hinweg Popularität genießt habe ebenfalls ihre Zweifel. Sie stört insbesondere, dass Lauterbach bereits mehrmals seine Meinung zu Corona-Kernfragen änderte.

#Lauterbach: Nein zum Boostern am 31.10.2021, Ja zum Boostern am 17.11.2021, vielleicht Boostern am … Unser neuer #Gesundheitsminister wird uns mit seinen klaren Ansagen zweifellos bestens durch die #Corona#Pandemie bringen. pic.twitter.com/vNzoRgei0T

— Sahra Wagenknecht (@SWagenknecht) December 6, 2021
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So mancher Beobachter verwies auf mutmaßliche Netzwerke des designierten Gesundheitsministers und den Umstand, dass sich Deutschlands bekanntester Fliegenträger in der Vergangenheit für die Schließung von Spitälern stark machte.

Karl #Lauterbach wird Gesundheitsminister.
Das ist ein echter #Hummer!
Lauterbach ist der Kandidat der Versicherungswirtschaft und Funktionäre. Der Killer kleiner Krankenhäuser und mitverantwortlich für die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens 👎👎👎 pic.twitter.com/FxDZccYrMy

— Andreas Hallaschka (@Hallaschka_HH) December 6, 2021
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Verstehe ich das richtig: Man benötigt also Maßnahmen, um den angeblich drohenden Zusammenbruch der Intensivstationen zu verhindern – und macht mit #Lauterbach ausgerechnet jenen Mann zum Gesundheitsminister, der 50% der Kliniken schließen wollte?

Das ist alles nur noch absurd.

— Bernhard Zimniok (@BernhardZimniok) December 6, 2021
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Unbelesene & naive Menschen fordern ausgerechnet den irren Pharmalobbyisten, der mitverantwortlich ist für so viele Krankenhaus-Schließungen, weswegen dieses Gesundheitssystem schon weit vor Corona völlig überlastet war & Menschen leiden lässt. Ihr verdient ihn. #Lauterbach

— Manaf Hassan (@manaf12hassan) December 6, 2021
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Weiterlesen:

Lauterbach: „Die Demokratie hat keinen Schaden genommen“ (26.03.2021)

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