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Politik

Neue Studie zeigt: US-Zollpolitik wird zum wirtschaftlichen Eigentor

Die amerikanische Zollpolitik erweist sich als strategischer Bumerang mit globaler Sprengkraft: Anstatt wirtschaftliche Stärke zu erzeugen, führt sie laut einer Studie zu Preissteigerungen, Marktverwerfungen und neuen Abhängigkeiten.

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Neue Studie zeigt: US-Zollpolitik wird zum wirtschaftlichen Eigentor
(Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)

Was als machtpolitisches Instrument gegen ausländische Anbieter verkauft wurde, entfaltet einer aktuellen Analyse zufolge eine gegenteilige Wirkung: Die finanziellen Folgen der US-Strafzölle treffen demnach vor allem Unternehmen und Konsumenten in den Vereinigten Staaten selbst. Nach Auswertung umfangreicher Handelsdaten bleibt nahezu die gesamte Belastung im Inland, wie es seitens des Kiel Institut heißt.

Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft und Mitautor der Untersuchung, bringt das Ergebnis auf den Punkt: „Die Zölle sind ein Eigentor.“ Die oft wiederholte Darstellung aus Washington halte einer empirischen Prüfung nicht stand. „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.“

96 Prozent der Last tragen US-Käufer

Die Studie zeigt, dass sich die zusätzlichen Abgaben wie eine verdeckte Verbrauchssteuer auswirken. Rund 96 Prozent der Kosten übernehmen importierende Firmen und private Haushalte in den USA, während ausländische Exporteure nur einen geringen Anteil schultern. Parallel dazu schrumpfen die Auswahl und die Menge der auf dem US-Markt verfügbaren Waren.

Auf der Einnahmeseite verzeichnete der amerikanische Staat einen deutlichen Zuwachs: Die Zolleinnahmen stiegen im Jahr 2025 um rund 200 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig ging das Handelsvolumen deutlich zurück, ohne dass ausländische Anbieter ihre Preise senkten. Die erwartete Entlastung für US-Käufer blieb somit aus.

Fallstudie Brasilien und Indien

Besonders deutlich wird dieser Mechanismus bei den kurzfristig erhöhten Zöllen gegen Brasilien und Indien im August 2025: Für brasilianische Produkte kletterten die Abgaben auf 50 Prozent und für indische Waren verdoppelten sie sich von 25 auf 50 Prozent. Auch hier reagierten die Exporteure nicht mit Preisnachlässen, sondern reduzierten die Liefermengen.

Hinz erläutert das Vorgehen des Forschungsteams: „Wir haben indische Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada verglichen und ein klares Muster erkannt.“ Das Ergebnis sei eindeutig ausgefallen. „Exportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die Stückpreise – die Preise, die indische Exporteure verlangen – blieben unverändert. Sie lieferten weniger, nicht billiger.

Langfristig würden US-Unternehmen durch die Zölle unter Margendruck geraten, während Verbraucher höhere Preise schultern müssten. Länder, die stark auf den amerikanischen Markt ausgerichtet seien, verlören Absatz und seien gezwungen, neue Abnehmer zu suchen. Für Hinz ist die Bilanz eindeutig: „Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle.“

Datenbasis der Studie

Grundlage der Analyse sind mehr als 25 Millionen einzelne Lieferungen mit einem Gesamtwert von knapp vier Billionen US-Dollar. Um die Weitergabe der Zölle präzise nachzuzeichnen, wurden unter anderem Frachtbriefdaten von Panjiva, Angaben des US Census Bureau sowie indische Zollstatistiken ausgewertet. Die Ergebnisse sind im Kiel Policy Brief dokumentiert. Die Studie trägt den Titel „America’s Own Goal: Who Pays the Tariffs?“ und stammt von Julian Hinz, Aaron Lohmann, Hendrik Mahlkow und Anna Vorwig. Sie wurde im Januar 2026 vom Kiel Institut für Weltwirtschaft veröffentlicht.

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