Die Biennale di Venezia ist eine der ältesten und wichtigsten Kunstausstellungen der Welt. Sie findet alle zwei Jahre („biennal“) in Venedig statt und gilt als eine Art Weltbühne für zeitgenössische Kunst. Gegründet wurde sie bereits 1895. Heute umfasst sie mehrere Bereiche, vor allem die Kunstbiennale, aber auch Ableger für Architektur, Film, Tanz, Musik und Theater. Besonders bekannt ist die Kunstbiennale, bei der Künstler aus aller Welt ihre Arbeiten präsentieren. Heuer findet die Biennale von Samstag, dem 9. Mai, bis Sonntag, dem 22. November 2026, statt.
Ein zentrales Merkmal ist das sogenannte Ländersystem: Viele Staaten haben eigene Pavillons, in denen sie ausgewählte Künstler zeigen. Die Kulturnation Österreich, die für Klimt, Schiele, Mozart und viele andere Künstler von Weltrang bekannt ist, betreibt etwa einen eigenen Pavillon, in dem jeweils ein Beitrag präsentiert wird – aktuell jener von Florentina Holzinger. Und die agiert mit nackter Haut gegen leere Kassen. Während Österreichs Budget unter Druck steht, Sozialausgaben diskutiert und Sparpakete geschnürt werden, sorgt ausgerechnet die staatliche Förderung in Höhe von 600.000 Euro für hitzige Debatten. Im Zentrum eine „Künstlerin“ die sich gerne auszieht und bei ihren Performances jede Menge nackte Frauen auftreten lässt.
Provokation als Strategie
Florentina Holzinger provoziert bewusst, überschreitet Grenzen und arbeitet mit radikaler Körperlichkeit, verrät eine kurze Recherche im Internet. Und genau in diesem Internet reißt ein nackter Frauenkörper in Zeiten von YouPorn, X-Hamster oder sonstigen gratis Pornoseiten heutzutage jedoch niemanden mehr vom Hocker. Da muss man schon noch was drauflegen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und das macht Florentina Holzinger. Ihr „Kunstprojekt“ im Namen Österreichs umfasst eine sogenannte „Installation“, die mit Abwasser beziehungsweise Urin arbeitet. So wird etwa das Lulu der Zuseher über mobile Toiletten gesammelt und in große Tanks im Pavillon geleitet. In diesen sollen die nackten Performerinnen dann baden.
Laut der „Künstlerin“ ist das nicht als bloßer Schockeffekt gedacht, sondern knüpft thematisch an Holzingers Interesse an Kreisläufen, Körperflüssigkeiten und Umweltverschmutzung an – also daran, wie Menschen buchstäblich in ihren eigenen Abfallströmen leben. Es mag ja sein, dass sich die Frau Holzinger für Körperflüssigkeiten interessiert, aber was hat das mit Kunst zu tun? Und warum müssen die armen Biennale-Besucher, die sich einen Kunstgenuss der Kulturnation Österreich erwarten dabei zusehen, wie eine den Meisten wohl unbekannte Frau Holzinger samt ihren Kolleginnen in Lulu schwimmen?
Staatliche Förderung im Fokus
Sexuelle Vorlieben sind ja breit gestreut. Jeder hat da seine eigenen Vorlieben. Wenn die Frau Holzinger gerne in Urin badet, dann soll sie das machen. 1000 Rosen. Aber warum fördert der Staat Österreich – in diesem Fall das Ministerium unseres Vizekanzlers und Kunstministers Andreas Babler (SPÖ) – das mit sage und schreibe 600.000 Euro? Nicht die Performance selbst, sondern die staatliche Subvention ist der Skandal.
Provokation gehört seit jeher zum Wesen der Avantgarde. Was jedoch zunehmend auf Unverständnis stößt, ist die Tatsache, dass genau solche Arbeiten mit erheblichen Summen aus öffentlichen Mitteln gefördert werden. In Zeiten, in denen Bürger mit steigenden Preisen kämpfen und der Staat zum Sparen mahnt, wirkt eine sechsstellige Förderung für derart polarisierende Projekte wie ein Schlag ins Gesicht vieler Steuerzahler.
Kulturpolitik in der Kritik
Dieser Fall ist ein Symbol für eine Kulturpolitik, die sich von der Lebensrealität der Bevölkerung entfernt hat. Kunst darf nicht zum Selbstzweck einer kleinen, elitären Szene werden, die sich gegenseitig feiert, während die breite Öffentlichkeit ratlos zurückbleibt. Denn tatsächlich steht hier eine grundsätzliche Frage im Raum: Welche Art von Kunst soll der Staat fördern – und in welchem Ausmaß? Die Debatte um diese 600.000 Euro ist deshalb mehr als nur ein Streit über Geschmack. Sie offenbart ein Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung. Dass eine Künstlerin provoziert, mag Teil ihres Konzepts sein. Dass der Staat diese Provokation großzügig finanziert, ist hingegen eine Entscheidung, die sich der öffentlichen Diskussion stellen muss.






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