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Gesellschaft

Großstadt ohne Namen

Es gibt Tage, an denen die Großstadt sich wie ein lebendiges Wesen anfühlt. Sie atmet, sie pulsiert, sie verschluckt einen, wenn man nicht aufpasst. Marie-Thérèse Kaiser zeichnet das Bild einer Metropole, in der Wohnungsnot, Unsicherheit und gesellschaftliche Entfremdung den Alltag vieler Frauen prägen.

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Dieser Beitrag ist ein Archiv-Text aus Freilich 38.

Großstadt  ohne Namen
(Bild: IMAGO / Westend61)

Wohnen in der Großstadt ist eine eigene olympische Disziplin. Man braucht Glück, Vitamin B oder den Mut, eine kleine, überteuerte Box „Studio-Apartment“ zu nennen. Ein WG-Zimmer ist so teuer wie früher eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Wer Kontakte hat, bekommt ein Zimmer, das immerhin eine eigene Tür hat. Wer keine hat, bekommt Angebote, die mehr über den moralischen Zustand der Stadt verraten als jede politische Debatte: „Miete günstig, dafür ein bisschen Nähe“, schreibt einer. Ein anderer will „nur Frauen“. Ein dritter möchte „kreative Wohnmodelle“ ausprobieren, was meistens heißt: Er sucht eine Putzkraft, keine Mitbewohnerin.

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