Wohnen in der Großstadt ist eine eigene olympische Disziplin. Man braucht Glück, Vitamin B oder den Mut, eine kleine, überteuerte Box „Studio-Apartment“ zu nennen. Ein WG-Zimmer ist so teuer wie früher eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Wer Kontakte hat, bekommt ein Zimmer, das immerhin eine eigene Tür hat. Wer keine hat, bekommt Angebote, die mehr über den moralischen Zustand der Stadt verraten als jede politische Debatte: „Miete günstig, dafür ein bisschen Nähe“, schreibt einer. Ein anderer will „nur Frauen“. Ein dritter möchte „kreative Wohnmodelle“ ausprobieren, was meistens heißt: Er sucht eine Putzkraft, keine Mitbewohnerin.
Großstadt ohne Namen
Es gibt Tage, an denen die Großstadt sich wie ein lebendiges Wesen anfühlt. Sie atmet, sie pulsiert, sie verschluckt einen, wenn man nicht aufpasst. Marie-Thérèse Kaiser zeichnet das Bild einer Metropole, in der Wohnungsnot, Unsicherheit und gesellschaftliche Entfremdung den Alltag vieler Frauen prägen.

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