Immer mehr Länder sind von der demographischen Krise bedroht. Niedrige und sinkende Geburtenraten sind aber längst kein exklusives Problem westlicher Industrieländer mehr. Inzwischen betrifft dies auch Länder wie Niger und Somalia, deren extrem hohe Geburtenraten von nahezu acht gerade dabei sind, sich zu halbieren. „Die Geburtenrate in der Türkei ist erstmals in der Geschichte auf 1,48 gesunken. Das ist eine Katastrophe!“, beklagte etwa auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die meisten westlichen Staaten reagieren auf den Geburtenrückgang mit dem Ruf nach Migration und blenden dabei alle negativen Begleiterscheinungen, die inzwischen hinlänglich bekannt sind, aus. Es gibt aber auch Staaten, die noch an die Kraft des eigenen Volkes glauben und entsprechend Maßnahmen setzen, um die heimische Geburtenquote mit dem hehren Ziel, die magische Grenze von 2,1, also das Bestandserhaltungsniveau zu erreichen, zu erhöhen.
Ungarns Familienpolitik als europäisches Erfolgsmodell
Wenngleich das 2,1-Ziel noch in weiter Ferne liegt, so hat es Ungarn doch geschafft, die Geburtenquote erheblich zu steigern. Seit Jahren stieg unter Viktor Orbán die Geburtenanzahl kontinuierlich, wenn man von der Delle während der Coronajahre absieht. Was macht Ungarn also? Mütter mit einem Kind sind dort, bis sie 30 werden, von der Einkommenssteuer befreit, und ab 2026 bei zwei oder mehr Kindern sogar lebenslang. Bisher galt das ab drei Kindern. Zusätzlich hat Ungarn großzügige Kinderbeihilfen, günstige Kredite für Familien mit Kindern, Wohnungs- und Autokaufzuschüsse für Familien und vieles mehr.
Damit ist Ungarn unter Viktor Orbán zu einem Steuerparadies für Familien geworden. „Es gibt auf der Welt nichts Wichtigeres als die Familie“, sagt er selbst dazu. Ungarn hat es mit diesen Maßnahmen geschafft, die Geburtenquote von einem absoluten Tiefstand von 1,23 auf immerhin 1,6 anzuheben und damit viele westliche Länder zu überflügeln. Insgesamt werden in Ungarn fünf Prozent des BIP für Familienpolitik aufgewendet, während es in Österreich und Deutschland nur knapp über drei Prozent sind. Ungarn hat natürlich den Vorteil, dass dort noch keine Massenmigration stattgefunden hat, insofern treffen diese Maßnahmen auch wirklich die eigenen Familien.
Frankreichs Sonderweg
Auch wenn Frankreich inzwischen ein Recht auf Abtreibung in der Verfassung verankert hat, so hat das Land doch eine eigentlich lange Tradition (seit den 1930er-Jahren) pronatalistischer Politik. Mit 1,6 liegt das „Land der Liebe“ eher im oberen Bereich der Industrienationen. Zurückzuführen ist das auf ein hohes Kindergeld, sehr viele Krippenplätze, lange bezahlte Elternzeit und Steuervergünstigungen für Familien mit vielen Kindern. Damit gilt Frankreich als eines der erfolgreichsten Beispiele für familienfördernde Politik in Europa. Es sei aber auch dazugesagt, dass die Grande Nation massiv auf Massenzuwanderung setzt und in den Migrantengruppen die Geburtenraten deutlich höher sind, was jene des gesamten Landes anhebt. Insofern sind die französischen Zahlen mit Vorsicht zu genießen und keinesfalls mit anderen Staaten, die so gut wie keine Migranten haben, zu vergleichen. Laut Statistiken des INSEE ist nämlich die Zahl der Kinder, die von zwei in Frankreich geborenen Elternteilen geboren wurden, seit 2000 um 22 Prozent zurückgegangen.
Dieser Trend steht im Gegensatz zu den steigenden Geburtenzahlen bei Kindern mit mindestens einem Elternteil außerhalb der EU, die seit 2000 um 40 Prozent und bei zwei außerhalb der EU geborenen Elternteilen um 72 Prozent gestiegen sind. Anders als in Ungarn profitieren von den Maßnahmen also nicht nur autochthone Franzosen, sondern eben auch migrantische Familien.
Asiens Kampf gegen den Geburteneinbruch
Japan mit einer der weltweit niedrigsten Geburtenraten beginnt nun ebenfalls mit Gegenmaßnahmen. Mit April 2026 führte Japan den „Kinder- und Erziehungsunterstützungsfonds“ (Kodomo Kosodate Shienkin Seido) ein. Dieser ist ein Teil der Strategie zur Bekämpfung der demographischen Krise. Es handelt sich dabei um einen erhöhten Krankenkassenversicherungsbeitrag für all jene, die unabhängig ihres Beziehungsstatus keine Minderjährigen im Haushalt betreuen. Die Einnahmen daraus sollen zweckgebunden an Familienförderungen wie Erweiterung des Kindergeldes, Kinderbetreuung, Schwangerschafts- und Geburtsunterstützung, Arbeits- und Familienvereinbarkeit und dergleichen sein. Die LDP von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat diesen Weg eingeschlagen und zusammen mit einem strikten Anti-Zuwanderungskurs einen Erdrutschsieg mit einer Zweidrittelmehrheit im „Land der aufgehenden Sonne“ eingefahren.
Ein weiteres asiatisches Land, das dem Geburtenrückgang den Kampf angesagt hat, ist das wirtschaftlich aufstrebende China. Das „Reich der Mitte“ hat mit seiner verheerenden Ein-Kind-Politik besondere Bedingungen und Herausforderungen geschaffen, da das Mann-Frau-Verhältnis massiv in Ungleichgewicht geraten ist und ein enormer Frauenmangel aufgrund gezielter Abtreibung weiblicher Föten herrscht. Inzwischen ist man in Peking zu einer Drei-Kind-Politik übergangen und fördert das Kinderkriegen aktiv: IVF-Subventionen, teils kostenlose Geburtsvorbereitung, lokale „Geburtenboni“ und weitere Maßnahmen hat die kommunistische Führung ergriffen. Dennoch fällt die Geburtenquote weiter rasant und ist inzwischen wie bei Südkorea und Taiwan unter eins angelangt. Der Mangel an gebärfähigen Frauen ist im bevölkerungsreichsten Land der Welt selbst mit drei Kindern pro Frau einfach nicht auszugleichen.
Indien entdeckt die demographische Frage neu
Auch im als überbevölkert bekannten Indien ist seit 1970 die Geburtenquote im Sinkflug begriffen und hat seit 2023 eine Geburtenrate von unter zwei, was mitunter auf den relativ geringen Frauenanteil zurückzuführen ist. Auch dort wurden und werden Buben Mädchen aus kulturellen Gründen vorgezogen. Nach der Unabhängigkeit 1947 forcierte Indien das Modell der Zwei-Kind-Familie, förderte die Aufklärung der Frauen und die Verwendung von Verhütungsmitteln. Das zeigte Wirkung: Die Geburtenrate fiel seit 1965 von 5,94 auf aktuell 1,94 Kinder pro Frau. Jetzt will man Gegenmaßnahmen ergreifen, um einen demographischen Kollaps zu verhindern. Diskutiert werden unter anderem die Beschränkung von Subventionen auf Familien mit mehr als zwei Kindern. Ganz drastische Mittel denkt dabei der Bundesstaat Andhra Pradesh an: Dort wird geplant, Personen mit weniger als zwei Kindern gar das Wahlrecht zu entziehen.
Demographie schafft Fakten, und wie viele Schwellenländer zeigen, kann Quantität auch schnell zu Qualität werden. Bevölkerungsreichtum ist also geopolitisch die Währung der Zukunft. Wer also künftig im Konzert der Staaten noch eine Rolle spielen will, muss das demographische Problem mit dem eigenen Volk lösen. Migration ist dabei nämlich keine Lösung, sondern eine Waffe, welche nicht nur Staaten destabilisiert, sondern sie in ihrer ethnokulturellen Existenz bedroht.






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