Die Gründung des Deutschen Ordens fällt in die Zeit des Dritten Kreuzzuges, als Kreuzfahrer aus Lübeck und Bremen ein Feldhospital zur Versorgung der Kranken und Verwundeten gründeten. 1198 wurde der Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem dann zu einem Ritterorden erhoben, neben den eher französisch geprägten Orden der Templer und Johanniter. Die Orden unterhielten Spitäler und Burgen in der Levante, die vor allem mit den Erträgen von landwirtschaftlichen Gütern in Europa finanziert wurden. Die Orden unterstanden allein dem Papst, und ihre Mitglieder lebten ähnlich wie Mönche. Als straff organisierte und professionelle Krieger waren die Ritterorden ein wichtiger Machtfaktor in der Levante. Dennoch gerieten die Kreuzfahrerstaaten im 13. Jahrhundert immer mehr in Bedrängnis aufgrund ihrer isolierten Lage innerhalb des vornehmlich muslimischen Orients.
Über Umwege ins Baltikum
Im Jahre 1211 rief der ungarische König den Deutschen Orden nach Siebenbürgen zu Hilfe im Kampf gegen das Turkvolk der Kumanen. Dem damaligen Hochmeister Hermann von Salza eröffnete sich hierbei die Möglichkeit, anstelle der verstreuten Güter und Burgen, ein geschlossenes Gebiet in die Hand des Ordens zu bringen. Hermann von Salza war ein enger Vertrauter des berühmten Stauferkaisers Friedrich II. Bereits im Jahre 1225 wurde der Orden allerdings wieder vollständig aus Ungarn vertrieben, da der Deutsche Orden die Unabhängigkeit vom ungarischen Königreich vorantrieb und somit den ungarischen Adel gegen sich aufbrachte.
1226 bot sich dann eine neue Möglichkeit. Der polnische Herzog Konrad I. von Masowien rief den Deutschen Orden um Hilfe im Kampf gegen die heidnischen Prußen, die im Gebiet zwischen Weichsel im Westen, Memel im Norden und Osten sowie Narew im Süden siedelten und ihren alten Göttern anhingen. Die Polen waren mit der Missionierung der Prußen nicht erfolgreich und das polnisch-prußische Grenzgebiet litt unter gegenseitigen Raubzügen. Der Deutsche Orden willigte in das Angebot ein, sicherte sich allerdings dieses Mal rechtlich umfassend ab, indem Hermann von Salza von Papst und Kaiser die Herrschaft über alle eroberten und missionierten Gebiete erhielt.
Die Bulle selbst regelte die formale Zugehörigkeit der eroberten Gebiete zum Heiligen Römischen Reich, während der Orden ansonsten alle königlichen Rechte erhielt, wie die Prägung von Münzen und die Erhebung von Steuern und Zöllen. Zahlreiche Hochadelige bezeugten dieses Abkommen. Das Kaisertum der Staufer hatte im Hochmittelalter einen weltumfassenden Anspruch, wodurch sich die Einmischung in Gebiete erklärt, die eigentlich nicht seiner direkten Herrschaft unterstanden.
Expansion und Blüte
1230 erhielt der Orden dann das Kulmerland, wo die Deutschordensritter mit Thorn ihre erste Ordensburg errichteten. Von hier aus begann die Eroberung des Landes zwischen Weichsel und Memel mithilfe von Rittern aus ganz Europa. Unter ihnen war auch König Ottokar II. von Böhmen, der große Widersacher des ersten römisch-deutschen Königs aus dem Hause der Habsburger, Rudolf I. Diesem Böhmischen König zu Ehren, wurde die Stadt Königsberg benannt. Innerhalb weniger Jahrzehnte breitete sich der Orden von der Weichsel bis hin zum Finnischen Meerbusen aus. Der zähe Widerstand der baltischen Stämme wurde brutal niedergeschlagen.
Zur Sicherung des Landes baute der Orden zahlreiche Burgen, von denen die Marienburg in Westpreußen heute zu den größten Burgen der Welt zählt. Von hier aus lenkte der Hochmeister ab 1309 die Geschicke des Ordens und führte das Ordensland im 14. Jahrhundert zu seiner größten Blüte. Rheinländer, Westfalen und Niedersachsen besiedelten das Land der Prußen großflächig, während die Deutschen im heutigen Lettland und Estland eine eher städtisch geprägte Minderheit bildeten. Im Gegensatz zu den norddeutschen Siedlern speiste sich die Ritterschaft des Ordens hauptsächlich aus dem mitteldeutschen Adel, wie etwa Thüringen und Franken. Durch die straffe Herrschaft, effiziente Verwaltung und enge Zusammenarbeit mit der Hanse erreichte der Ordensstaat auch einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Niedergang des Ordensstaates
Die aggressive Politik des Ordens machte ihm viele Feinde. Mit der polnisch-litauischen Union von 1385 bildete sich eine Koalition, die dem Orden militärisch gewachsen war. Die Litauer waren inzwischen aus eigenem Antrieb zum Christentum übergetreten, wodurch ein Krieg gegen Polen und Litauen den Kampf gegen andere Christen bedeutete und somit die Legitimation des Ordens in Frage stellte. Mit der Schlacht von Tannenberg endete die Blütezeit des Ordens abrupt, und es begann ein Jahrhundert des Niedergangs. Der Orden benötigte immer höhere Steuereinkünfte, sodass am Ende die deutschen Städte in Preußen gegen die Herrschaft des Ordens rebellierten und sich dem König von Polen zuwandten.
1466 ging das westpreußische Kernland verloren, die alte Keimzelle von 1230 mit Thorn, Kulm und der Marienburg. Der Hochmeister weilte fortan in Königsberg. 1525 wandelte der Hochmeister Albrecht I. aus dem Geschlecht der Hohenzollern das Land der Prußen in den ersten protestantischen Staat der Welt um und war fortan Herzog von Preußen. Hier trennen sich die Wege des preußischen Staates und des Deutschen Ordens, der weiterhin Besitzungen im Reich unterhielt, sich aber aus der Weltgeschichte verabschiedete. In den Wirren der Napoleonischen Kriege verlor der Orden auch seine Besitzungen in der heutigen Bundesrepublik Deutschland und beschränkt sich seitdem von Wien aus auf karitative Tätigkeiten wie den Betrieb einiger Krankenhäuser.
Das lutherische Herzogtum Preußen dagegen nahm eine entscheidende Rolle in der deutschen Geschichte ein. 1701 krönte sich Friedrich I. zum König in Preußen und schuf somit ein Königreich, welches 1871 das Deutsche Kaiserreich formte und in diesem aufging. Heute sind beide Exemplare der Goldenen Bulle von Rimini deswegen auch im Besitz des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Denn auch wenn die Geschichte der Deutschen im Baltikum mit der Vertreibung der Westpreußen, Ostpreußen und Baltendeutschen 1945 geendet ist, Preußen als Staat nicht mehr existiert und der Deutsche Orden sich im kleinen Rahmen auf karitative Arbeit beschränkt, war die Goldene Bulle von Rimini ein entscheidender Punkt der deutschen Geschichte, von dem noch zahlreiche Burgen aus rotem Backstein in den weiten Wäldern der Ostseeküste zeugen.





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