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Terroranschlag in Wien jährt sich zum zweiten Mal

Am heutigen Tag jährt sich der der islamistische Terroranschlag in Wien zum zweiten Mal. FREILICH fasst die Ereignisse bis zur Tat in einer Chronologie zusammen.
Redaktion
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2.11.2022
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3 Minuten Lesezeit
Terroranschlag in Wien jährt sich zum zweiten Mal
Bild: Gedenken an den Terroranschlag in Wien am Ruprechtsplatz / Bild: Munf, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Wien/Bratislava. – Am 2. November 2020 hatte ein bewaffneter Terrorist in der Wiener Innenstadt vier Menschen getötet und 23 weitere schwer verletzt. Die Chronologie des Attentats zeigt, dass die Tat verhindert hätte werden können, wenn die Sicherheitsbehörden die Gefahr erkannt und rechtzeitig gehandelt hätten. Damaliger Innenminister war Karl Nehammer (ÖVP), Justizministerin war Alma Zadić von den Grünen.

Attentäter wollte sich dem IS anschließen

Bereits im Feber 2018 hatte das für die Auslandsaufklärung zuständige Heeresnachrichtenamt (HNA) des Bundesheeres erste Informationen über den späteren Attentäter erhalten. Er sei ein IS-Sympathisant, hieß es damals. Das HNA übermittelte diese Information daraufhin ans Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Es ist allerdings nicht bekannt, ob an das für allfällige Maßnahmen zuständige Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) ebenfalls Informationen darüber ergingen. Einige Monate später, im September 2018, reiste der Attentäter in die Türkei, um sich den Taliban beziehungsweise dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Sein Plan ging allerdings nicht ganz auf, da er am 15. September von den türkischen Behörden verhaftet und in Untersuchungshaft gekommen war. Nach einigen Monaten in U-Haft wurde er schließlich nach Österreich abgeschoben.

Nur wenige Monate in österreichischer Haft

Nach seiner Überstellung aus der Türkei wurde der Attentäter im Jänner bei seiner Ankunft in Österreich festgenommen und es wurde ein Verfahren wegen terroristischer Straftaten gegen ihn eingeleitet. Drei Monate später wurde er zu 22 Monaten unbedingter Haft verurteilt, wobei ihm die Haftzeit in der Türkei und die Zeit der U-Haft angerechnet wurden. Er kam also nach Verbüßung von nur zwei Drittel seiner Haftstrafe am 5. Dezember 2019 auf Bewährung frei.

Nach der Entlassung im Dezember 2019 führte das LVT in Wien eine Gefährderansprache durch, bei der sich der spätere Attentäter jedoch nicht kooperativ zeigte. Im Gegenteil: Er war „distanziert und nervös“. Am 17. Dezember beschloss das LVT, „seine Gefährlichkeit“ neu zu bewerten, sprach allerdings kein Waffenverbot gegen ihn aus.

Islamisten-Treffen in Wien

Im Feber 2020 bemerkte dann das HNA, dass der Attentäter „mit anderen Personen“ in Kontakt stand, die einem „spezifischen Gefährderkreis“ aus dem IS zugeordnet waren und informierte das BVT über diese Erkenntnisse. Einige Monate später und nachdem deutsche Behörden die österreichischen Behörden informiert hatten, gab es Mitte Juli 2020 eine Besprechung zwischen deutschen Behörden und dem LVT über das Treffen von Islamisten in Wien.

Zwischen dem 16. und 20. Juli 2020 kam es zu Treffen zwischen dem Attentäter und anderen Islamisten in Wien. Das Treffen wurde zwar observiert, allerdings nicht abgehört. Aufgrund von Ressourcenmangel kam es auch zu keiner Analyse oder Bewertung seitens des BVT. Nur einen Tag später fuhr der spätere Attentäter schließlich nach Bratislava, um sich dort Munition für einen jugoslawischen AK47-Nachbau zu besorgen. Allerdings verweigerte der Waffenhändler den Verkauf und informierte stattdessen die slowakischen Behörden über den versuchten Kauf. Dazu übermittelte er auch Bilder und das Autokennzeichen.

Informationen wochenlang nicht weitergegeben

Sechs Tage später, am 27. Juli 2020, erhielt das BVT von den slowakischen Behörden sowohl Informationen über den versuchten Kauf als auch Bilder aus einem Überwachungsvideo. Es dauerte fast vier Wochen, bis das BVT diese Bilder an das zuständige LVT weiterleitete. Am 25. August 2020 erkannte schließlich ein LVT-Sachbearbeiter den späteren Attentäter auf den Bildern. Am darauffolgenden Tag wurden Bilder des Attentäters an die slowakischen Behörden übermittelt, um seine Identität bestätigen zu lassen. Knapp eineinhalb Monate später kam die Bestätigung.

Trotz der bis dahin beobachteten Auffälligkeiten bewertete das LVT Wien das vom späteren Täter ausgehende Risiko in einer Erstbewertung vom 11. September 2020 mit „moderatem Risiko“. Über ein Monat verging, bis die slowakischen Behörden schließlich bestätigten, dass der Attentäter Munition kaufen wollte. Vier weitere Tage vergingen, bis das BVT die Bestätigung an das LVT weitergab.

Anfang November, genauer gesagt am 2. November, kam es zu dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt, bei der vier Personen getötet und 23 weitere teils schwer verletz worden waren. Der Attentäter selbst wurde von der Polizei erschossen. Doch auch jetzt sind noch viele Fragen offen. Erst vor rund zwei Wochen, am 18. Oktober, startete der Prozess am Wiener Landesgericht gegen sechs mutmaßliche Hintermänner. Sie sollen den Attentäter im Vorfeld unterstützt, ihm unter anderem beim Erwerb der Waffen behilflich gewesen sein. Zudem läuft eine Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich. Der Vorwurf: Das Attentat hätte verhindert werden können.